Der Albgästeführer Wolf-Dietrich Herder führt Wandergruppen höchst authentisch durch die prähistorische Geschichte der Schwäbischen Alb.

 

 

Die Sonne ist noch gar nicht so lange über den Horizont gekrochen, da treffen sich immer mehr Menschen auf einem kleinen Wanderparkplatz irgendwo auf einer Hochfläche nicht weit vom Albtrauf. Es verspricht ein sonnig warmer Tag zu werden, und dennoch hat sich der als „Divico der Tiguriner“ bekannte Biosphären-Wanderführer Wolf-Dietrich Herder in außergewöhnliche, sicher viel zu warme Kleidung gehüllt. Und nicht nur das – der bärtige Hüne trägt einen glänzenden Metallhelm auf dem stark behaarten Kopf und einen langen Speer in der Hand.


Wolf-Dietrich Herder stammt von der Zollernalb und lebt seine Passion, er ist gleichsam ein Kelte durch und durch, der letzte seiner Art. Hier oben, auf der Vorderen Alb zwischen Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler, lebten die Kelten einst zahlreich, aber das ist lange her. Vor über zweitausend Jahren, also lange vor Christi Geburt, gab es hier eine bedeutende keltische Ansiedlung. Dieses sogenannte Oppidum war eine stark befestigte Anlage mit zwei Verteidigungsringen, die größtenteils noch heute erhalten und deutlich in der Landschaft sichtbar sind. Mit einer Gesamtfläche von 1662 Hektar stellt dieses Areal namens „Heidengraben“ nicht nur die größte bekannte keltische Befestigungsanlage Deutschlands dar, sondern auch eine der größten in ganz Europa.

Zunächst zeigt Wolf Herder sein authentisches Outfit, das speziell für ihn angefertigt wurde aus Materialien, wie man sie wohl damals schon verarbeitet hat. Mit ein paar zusätzlichen historischen Exponaten wird die Zeit der Kelten regelrecht ‚greifbar‘, die spannende Schilderung damaliger Lebensumstände lässt die rund 20-köpfige Gruppe unruhig werden. Ein kurzer geografischer Überblick noch an einer Schautafel, und dann geht es endlich los auf den Spuren dieser sesshaften, gleichsam aber auch streitbaren Ureinwohner unseres geschichtsträchtigen Mittelgebirges Schwäbische Alb.

An die fünf Kilometer mögen es insgesamt sein, die bei dieser interessanten Exkursion des Albgästeführers Wolf Herder zurückgelegt werden. Es geht zumeist ebenerdig über Wiesen und Felder, aber auch an schattigen Schluchten im Wald entlang. Immer wieder sammelt er die Gruppe an markanten Stellen und hält kurze Vorträge über Besonderheiten im Gelände, bei denen einst gekämpft und gestorben wurde. So wird Geschichte hautnah lebendig, und die Schwäbische Alb als beschauliche Wanderregion offenbart sich aus einem völlig neuen, spannenden Blickwinkel.


Gut drei Stunden dauert die Exkursion am Heidengraben, die von Albgästeführer Wolf-Dietrich Herder so kurzweilig gestaltet wird, dass man beinahe das Mittagessen verpasst hätte. Allerdings wird es jetzt auch zunehmend sommerlich warm, und so kommt das Restaurant Burrenhof kurz vor dem Ausgangspunkt der Tour äußerst gelegen. Im Schatten alter Bäume lässt man das Erlebte noch einmal Revue passieren und hat ausgiebig Gelegenheit, sich bei Speis‘ und Trank mit dem „letzten Kelten“ Wolf-Dietrich Herder zu unterhalten – der jetzt erst seinen schweren Keltenhelm abgenommen hat.

Weitere Touren und nähere Infos unter http://albgaestefuehrer.online

 

 

Bildnachweise:

Der letzte Kelte: Albgästeführer Wolf-Dietrich Herder. Foto: Bernhard Bürkle

Wolf-Dietrich Herder weiß viel über die keltische Geschichte am Heidengraben. Seine Mitwanderer hören gespannt zu. Foto: Bernhard Bürkle.

Unweit von keltischen Grabhügeln liegt der Burrenhof, eine beliebte Gaststätte. Foto: Bernhard Bürkle