Wenn die Tage kürzer werden, ist es wunderbar gemütlich, sich mit einem Buch in den Sessel zu kuscheln und in erfundene Geschichten einzutauchen. Besonders erdachte Verbrechen und menschliche Untiefen lassen wohlige Schauer über den Rücken huschen. rauschen. Vor allem dann, wenn die Schauplätze von Krimis in der Region liegen und dem Leser vertraut sind.

 

Von Andrea Maier

 

 

Die raue Schwäbische Alb mit ihren eigenwilligen Bewohnern, den geheimnisvollen Höhlensystemen, kargen Hochflächen und schroffen Schluchten, ist als Schauplatz für Geschichten bestens geeignet. Neben Lyrik, naturkundlichen Sachbüchern und historischen Romanen werden vor allem Alb-Krimis geschrieben. „Albeins“ hat den Krimi- und Sachbuchautor Jürgen Seibold besucht. Sein aktueller Roman „Lindner und das schwarze Schaf“ erschien im Oktober und erfreut sich bereits größter Beliebtheit.

„Der Schäfer Jo Meißner macht im Morgengrauen auf dem Kornberg bei Gruibingen eine grausige Entdeckung: Sein Vater, Seniorschäfer Ernst Meißner, liegt tot und übel  zugerichtet auf der Weide, … LKA-Kommissar Stefan Lindner wird aus seinem Urlaub zurückgerufen ...“ (Auszug aus der Ankündigung des Silberburg Verlages)

So ein bisschen muss er selber lachen, wenn der Kommissar Stefan Lindner immer so hypochondrisch daherkommt. Auch in der druckfrischen Geschichte „Linder und das schwarze Schaf“ fürchtet der „bähmullige“ Hauptkommissar aus Bad Boll schon bei geringfügigem Unwohlsein eine lebensbedrohliche Krankheit. Schelmisch grinsend lädt Lindners Erfinder, Jürgen Seibold, seine Zuhörer in einer Buchhandlung ein, sich über die Hauptfigur der Schwäbische-Alb-Krimi-Reihe lustig zu machen. „Nur späßleshalber!“, ruft er, denn tatsächlich ist dem erfolgreichen Krimiautor daran gelegen „so zu schreiben, dass mir niemand böse ist.“

Mit viel Liebe zur jeweiligen Region ersinnt der ehemalige Journalist bemerkenswert produktiv eine ganze Menge Verbrechen: Im Allgäu lässt er das Nordlicht Hansen ermitteln, im Remstal schickt er Kommissar Schneider los, rund um Stuttgart löst der Bestatter Gottfried Froelich Ungereimtheiten bei Todesfällen und auf der Alb, da bruddelt und sinniert sich eben genannter Kommissar Lindner durch besonders kuriosen Fälle. Ganz ehrlich: Hätten Sie gedacht, dass ein Opfer mit Äpfeln erschlagen, mit Spülmittel erstickt oder von Wölfen ... ? Nun ja, Autor Jürgen Seibold hat seinem Lindner außerordentliches Talent beim Lösen derartiger Merkwürdigkeiten zugeschrieben. Die Leser werden ins Staunen geraten, soviel sei vorweg genommen.

Da der vielbeschäftigte Geschichtenerzähler in freien Stunden gerne über die Alb spaziert, ebenso gerne Pausen macht und dabei die regionalen Köstlichkeiten entlang der „blauen Mauer“ genießt, ist alles auf's Beste recherchiert. Dörfer, Straßen, Bäume, Gärten, Wirtschaften – (fast) alles wie in echt. Nur beispielsweise Wohnungen, Fahrzeuge, Lieblingswirte oder ähnlich Persönliches der Beteiligten ist ausgedacht. Auch das, was geschieht, ist der Realität zwar oft verblüffend nahe, aber in jedem Fall „konsequent erfunden“.

Dies und vieles mehr berichtet Jürgen Seibold mit Humor und Selbstironie bei den Lesungen in Buchläden, Weinkellern, Bildungseinrichtungen, Gast- und Kulturhäusern. Er liest am liebsten im Stehen, ein Apfelschorle vor sich. Mit komödiantischem Talent holt er sein Publikum in die Geschichten hinein und entlässt sie mit einem Augenzwinkern wieder ins echte Leben. Ab und an gibt der begeisterte Hobbymusiker Seibold dabei auch ein paar Stücke mit der Gitarre zum Besten.

Wenn im Frühjahr dann genug Bücher gelesen sind und wärmende Sonnenstrahlen wieder nach draußen locken, sind die „Mordstouren“ zu den Orten des Geschehens ein ganz besonderes Vergnügen. Mal solo, mal unterstützt von Schauspielern, wandert Jürgen Seibold mit Gruppen krimibegeisterter Wanderer über die Alb, im Remstal oder durch Stuttgart. Ein paar Utensilien des Verbrechens führt er dabei gerne mit sich und selbstverständlich ein zünftiges Vesper.

 

 

 Infos 

 

Termine der Lesungen, Krimi-Dinner-Veranstaltungen und Mordstouren, sowie alle erschienenen Bücher sind zu finden auf www.juergen.seibold.de

 

„Lindner und das schwarze Schaf“ ist als Taschenbuch im Silberburg-Verlag erschienen und kostet 9,90 €. ISBN: 9 783842 514836

 

 

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