Harald und Sabine Müller mit ihren Kindern in den Weihnachtsbaumkulturen.  Fotos: Mittelmühle

 

In der Mittelmühle bei Adelberg (Kreis Göppingen) werden seit fast 50 Jahren Weihnachtsbäume aufgezogen. Seit 2001 werden ökologische Aspekte und größtmögliche Nachhaltigkeit immer mehr ins Zentrum der Produktion gerückt.

 

Von Andrea Maier

 

Vor 15 Jahren übernahmen Sabine und Harald Müller die Weihnachtsbaumkulturen der Adelberger Mittelmühle. Der Umstand, dass die Mittelmühle im zauberhaften Herrenbachtal, einem sensiblen Wasserschutz- und Naherholungsgebiet liegt, und die Familie selbst unmittelbar zwischen den künftigen Christbäumen wohnt, ist tagtäglicher Ansporn für umwelt- und gesundheitsverträgliche Produktion.

Die steilen Hanglagen erlauben kein weiträumiges Bearbeiten mit schweren Maschinen, große Teile der Pflegearbeiten werden von Hand erledigt. Seit ein paar Jahren helfen dabei die kuscheligen Mitarbeiterinnen aus England. Derzeit 14 Shropshire-Schafe zupfen sorgsam Halme und Blätter zwischen den Bäumchen und düngen gleichzeitig den Boden – rein biologisch. Mitarbeiter und Besucher lieben es, den Tieren zuzuschauen, wie sie geschickt Wicken und Winden von den kleinsten Ästchen knabbern, ohne auch nur den geringsten Schaden anzurichten.

Junge und ältere Bäume stehen in den Kulturen meist gemischt, denn dort, wo ein Christbaum geschlagen wird, pflanzt Harald Müller im nächsten Jahr gleich wieder einen jungen Baum. So ist dauerhafter Lebensraum für teils seltene Tiere und Pflanzen gesichert. Die in der eigenen kleinen Aufzucht und Baumschule herangezogenen Jungbäume gedeihen sicher im Schutz der älteren, machen diesen den Platz nicht streitig und werden ganz natürlich angeregt, sich kraftvoll zu entwickeln.

Harald Müller beobachtet seine Schützlinge intensiv. „Einen Baum umerziehen zu wollen ist sinnlos,“ hat er gelernt. „Besser nutze ich das, was der Baum selbst will.“ Mit den Jahren ist ihm klar geworden, dass die Natur sein bester Lehrmeister ist. Also übt er sich in Geduld, beobachtet, lernt und reagiert. Wie sieht ein perfekter Weihnachtsbaum aus?  „Wenn man der Natur Spielraum lässt, entsteht für jeden Kundengeschmack etwas“, lächelt Sabine Müller.


Um die langwierige Aufzucht und Pflege, aber auch biologische und ökologische Aspekte der Produktion nachvollziehbar zu machen, hat Harald Müller zusammen mit einem Kollegen aus Norddeutschland 24 Informationstafeln entworfen. Im Herrenbachtal sind sie frei zugänglich in den Kulturen aufgestellt. Das ganze Jahr über bieten Müllers zudem Führungen für Familien, Gruppen, Firmen und Schulklassen an. Kaum jemand ahnt, was an 365 Tagen im Jahr notwendig ist, um ein ökologisch sinnvoll produziertes, regionales Naturprodukt anzubieten.

Am Wochenende vor dem ersten Advent startet die Hochsaison: Neben den Weihnachtsbäumen wird in der Adelberger Mittelmühle „alles rund um Advent und Weihnachten“ geboten. Bei der Advents-Ausstellung finden Besucher viele Ideen, sowie Zubehör für die heimische Dekoration. In Kursen kann man das Binden von Kränzen und Gestecken lernen und zwischendurch bei Glühwein, Punsch und Leckereien zusammensitzen. Im vorweihnachtlichen Trubel verspricht Harald Müller leise: „Wenn man ein paar Minuten Ruhe findet und den ausgewählten Baum still betrachtet, erzählt der seine ganz eigene, wunderschöne Geschichte.“

 

 Infos 

 

Mittelmühle Adelberg

Sabine und Harald Müller

Telefon: 071 66 / 859

www.mittelmuehle-adelberg.de

 

Öffnungszeiten: Vom 2. bis 23. Dezember von 10 bis 19 Uhr, Samstags und Sonntags von 8 bis 17 Uhr, am 24.

Dezember von 10 bis 14 Uhr. 

Der Weihnachtsbaumlehrpfad ist auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich.