Um mit einem Gläschen Sekt anzustoßen, gibt es immer einen Grund

 

Im Herzen der Esslinger Altstadt wird seit 190 Jahren ein anregend prickelndes Getränk hergestellt. In mittelalterlichen Gewölbekellern reifen Schaumweine, hergestellt aus hochwertigen Weinen in traditionellem Verfahren. Nicht nur zum Jahreswechsel wird mit  Kessler-Sekt angestoßen.

Von Andrea Maier

 

Das Haus Kessler zählt zu den wenigen Sektkellereien Deutschlands, die ihren Ursprung tatsächlich in der Champagne haben. Als Teilhaber und Direktor eines der berühmtesten Champagnerhäuser Frankreichs sammelte Georg Christian von Kessler profundes Wissen und wertvolle Erfahrung. Am 1. Juli 1826 gründete er in Esslingen die heute älteste Sektkellerei Deutschlands. Der ehemalige Speyrer Pfleghof ist seit dem Gründungstag Firmensitz und zugleich eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Durch seine hohen Qualitätsansprüche wies der junge Kaufmann von Kessler neue Wege im Weinanbau und wirkte maßgeblich an der Industrialisierung Württembergs mit. Die Besinnung auf Werte wie die Qualität der verwendeten Grundweine, aber auch der (in Teilen noch heute Hand-) Arbeit, die der Gründer seiner Zeit zum Maßstab erklärte, trug das Unternehmen selbst durch schwierige Zeiten.

Das Firmengelände, direkt am Marktplatz, prägt mit seinen historischen Gebäuden die Innenstadt. Es ist für die Esslinger und ihre Gäste eine lieb gewonnene Tradition, unter dem Motto „Sekt in the City“, nach dem Wochenmarkt noch im Kesler-Karree auf ein Glas Sekt oder einen Kaffee vorbei zu schauen.

In geführten Kellereibesichtigungen können Besucher tiefer eintauchen in die Geschichte der Sektherstellung am Neckar. In einem Labyrinth aus zwölf miteinander verbundenen Gewölbekellern lagern zigtausend Flaschen im Schutz der Dunkelheit, kopfüber in Rüttelpulten. Wie schon vor 190 Jahren rütteln und drehen geschulte Mitarbeiter des Kellermeisters die Flaschen teils von Hand, um den optimalen Reifeprozess zu gewährleisten.

Was rundherum wie schmutzige Spinnweben in den Gewölben hängt, ist ein Pilz, „das schwarze Kellertuch“. Still und leise wandelt der biologische Helfer Alkohol in Sauerstoff, folglich ist die Raumluft nicht nur konstant kühl sondern auch besonders rein. In den Anfängen der Flaschenlagerung explodierten noch rund die Hälfte der Glaskörper durch den gut sechs Bar hohen Gärungsdruck, der Alkoholgehalt der Luft war wesentlich höher und das „Schwarze Kellertuch“ hatte viel zu tun. Heute sind die Glasflaschen stabil und der Pilz langweilt sich.

Je nach Cuvée reifen die Weine bis zu 30 Monaten. Hier entwickeln sie ihre Aromen und die Perlage, die das lustige Kitzeln an Zunge und Gaumen ausmacht. Am Ende des Prozesses wird jede Flasche degorgiert, sprich: der Satz aus Hefe und Trübstoffen, der sich beim sorgfältigen Rütteln im Flaschenhals abgelagert hat, wird herauskatapultiert. Nun erst wird der Naturkorken eingedreht.

Nach einigen Jahren der Krise hat die Orientierung „zurück zu den Ursprüngen“ und die gelingende Verbindung alter Tradition mit modernem Lebensgefühl Kessler-Sekt wieder nach vorne gebracht. Mehr als eine Million Flaschen Sekt werden jährlich verkauft. Rund 30 Mitarbeitende tragen zu diesem Erfolg bei.

 

 

 Infos 

Bei den „Besichtigungen mit Tiefgang“ kann man einzeln oder in Gruppen in die Kellergewölbe der Sektkellerei eintauchen und damit auch in Mythen und Geschichten rund um die Herstellung des Kessler-Sekts. Sekt-Degustationen gehören selbstverständlich zum  Angebot. Die Kellereibesichtigungen sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Informationen und Anmeldung unter Telefon 0711 – 3105 9310 und über

www.kessler-sekt.de

 

 

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