» Der Gastronomie-Tipp 

 

Zu Gast bei Volker Theurer im Lamm in Unterjesingen

 


 

Wenige Kilometer westlich von Tübingen liegt der Ortsteil Unterjesingen. Die besondere Lage inmitten des schönen Ammertals, mit der Wurmlinger Kapelle auf der einen und dem Naturpark Schönbuch auf der anderen Seite, machen das Dorf zu einem attraktiven Ausflugsziel. Der Weinanbau ist hier seit Jahrhunderten gepflegte und gelebte Tradition. Weingärten und Streuobstwiesen schmiegen sich auch gleich hinter dem Hotel Restaurant Lamm an sonnenbeschienene Hänge.

Von Andreas Maier

 

Lamm-Wirt, Koch und Brennmeister Volker Theurer weiß zu schätzen, was ihm seine Vorfahren weitergegeben haben. Für den 47-Jährigen ist es selbstverständlich, das Erbe zu pflegen, aus Traditionen zu schöpfen und sie sorgsam weiter zu entwickeln. Sein Anliegen ist es das Label „Streuobstparadies“ tatsächlich umzusetzen.

„Das, was auf den alten knorrigen Bäumen wächst, ist kostbar – da muss man etwas Gutes draus machen.“ Und das tut er - in der Lamm-Küche, in der er mit überwiegend heimischen Produkten regionale Spezialitäten für seine Gäste zubereitet ebenso wie bei der Herstellung der hochprozentigen Besonderheiten, die in alten Gewölbekellern lagern und in aller Ruhe, Jahr für Jahr noch vorzüglicher werden.

 

Seit über 100 Jahren wird in der Familie Alkoholisches aus eigenem Obst und Getreide gebrannt. Als Junge hat Volker Theurer dem Großvater geholfen, als Lehrling und später als Koch hat er überall, wo er gelernt und gearbeitet hat, bei den Alten nachgefragt und zugeschaut. „Das Brennen war immer schon mein Hobby“, erklärt er sein nicht müde werdendes Interesse.

Als er vor gut 20 Jahren das Gasthaus mitsamt den ehemaligen Stallungen von seinem Onkel übernommen hatte, investierte er in den Umbau der Gästezimmer, ließ jedoch die Destillerie und die alten Lagerkeller in weitgehend ursprünglichem Zustand. Hier wurde nur sehr sensibel das Notwendige renoviert. Theurer brennt seither das ganze Jahr über aus eigenem Obst, Beeren, Wurzeln und Getreide, aber auch aus Bier, Wein und Apfelmost Edelbrände, Liköre und seinen weithin berühmten Original Ammertal-Whisky.

„Das Alte schätzen - Neues entwickeln“, ist für Volker Theurer kein Widerspruch sondern Leitmotiv. Er besuchte immer wieder verschiedene Brennerei-Kurse, unter anderem an der Universität Hohenheim, und den Destillateur-Meisterkurs in Berlin. Immer mehr Gäste im Lamm zeigten sich begeistert, das Selbstgebrannte fand bald auch als kleines Mitbringsel oder edles Geschenk Zuspruch und Anerkennung. „Unsere Gäste fragten nach, ich zeigte schon mal unsere Obstwiesen und Weingärten und ab und an auch die Destillerie.“ Die leidenschaftliche Begeisterung Volker Theurers war und ist dabei immer zu spüren. Seine Produkte sprechen für sich. „Interesse wecken durch Genuss“, ist sein Motto. Das kommt gut an und spricht sich schnell herum.

Seit Jahren sind die Brennerei-Besichtigungen der absolute Renner. Auf Wunsch erweitern Theurer und sein ebenfalls engagierter Vater die Führungen mit informativen Wanderungen durch das wahrhaft wunderschöne Streuobst- und Weingartenparadies in nächster Umgebung. Für Urlaubsgäste und Besucher, die noch mehr erfahren möchten, lädt Theurer gerne auch Weinerlebnisführer und Kenner der Ortsgeschichte ein.

Wer die Brennerei betritt, erkennt sofort, dass hier Besonderes entsteht. Ein zarter feiner Duft streift durch den Raum, edel schimmernde Brände laden wohlsortiert in schlanken Flaschen zur Verkostung ein. An den Wänden bezeugen zahlreiche, auch internationale Auszeichnungen höchste Qualität – es gibt fast nur Gold- und Silberprämierungen für die Brennerei-Erzeugnisse Volker Theurers. Es ist kein Zufall, dass diese Spitzenprodukte in namhaften Bars, Genießer-Lokalen und Sterne-Restaurants auf der Karte stehen.

 

Vom Reifen der Frucht am Baum und der Ernte, bei der die ganze Familie mithilft, vom sorgfältigen Aussortieren über das Maischen und Gären, bis hin zum Destillieren, Lagern und Abfüllen – ausnahmslos alles geschieht in sorgsamer Handarbeit - berichtet ein kurzer Film. Volker Theurer bietet dazu seinen Original Ammertaler Whisky und eine Auswahl aus dem umfangreichen Sortiment edler Brände und Liköre zur Verkostung an. Klassiker wie Mirabelle, Zwetschge, Schlehe, Quitte und Williams Christ Birne sind zu genießen, aber auch die Aromen von Vogelbeere, Wildkirsche, Weintraube, Holunderblüte und -beere, ja sogar von Weißbier, Spargel, Topinambur und anderem überzeugen, machen neugierig, vielmehr genussgierig. Um die vorgeschriebenen Volumenprozent zu erreichen, verwendet Volker Theurer das herrlich frische Wasser, das aus der eigenen Quelle sprudelt. „Liebling unserer Gäste ist der Willi mit Honig, bei den Likören führt die Rose, aber auch Kräuter mit Nuss, das Schwabenfeuer, oder vielleicht doch eher Quitte ...“.

Schmunzelnd berichtet der Lamm-Wirt von den unterschiedlichen Vorlieben, die Hauptattraktion sei jedoch unumstritten sein Original Ammertaler Whisky. Das Cuveé aus 70 % Single Malt Whisky aus Gerstenmalz und 30% Single Grain Whisky aus Roggen und Weizen wird im periodischen Brennverfahren zweifach destilliert, bevor es mindestens sieben Jahre in Eichenholzfässern ruht und erst dann mit Quellwasser auf 40 % Vol gebracht wird. Diesem und anderen ausgezeichneten Destillaten kann man im Rahmen der Brennerei-Besichtigung einen Besuch abstatten. Ein paar ausgetretene Steinstufen tiefer, unter dem Trubel der Welt, reifen sie in alten Holzfässern, geborgen unter mächtigen Steingewölben, in geradezu feierlicher Stille. Selbstverständlich werden zu den Verkostungen auch passende Speisen angeboten. Vom deftigen Griebenschmalzbrot bis hin zum 5-Gänge-Überraschungsmenü ist alles möglich.

 

 Info 

www.lamm-tuebingen.de

 

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren