Der Sammler Martin Rath entdeckt auf den Albbildern jede Menge Geschichten aus seiner Heimatregion.  Foto: Andrea Maier

 

In einer ehemaligen Offiziersunterkunft im „Alten Lager“  in Münsingen bezaubern gemalte Alb-Ansichten von Künstlern, deren Heimat die Schwäbische Alb war. Aus den 160 ausgestellten Werken der Alb-Maler weht Vergangenes in die Gegenwart und macht Entwicklung sichtbar.

 

Von Andrea Maier

 

Martin Rath ist viel unterwegs, arbeitet in verschiedenen Ländern Asiens. Aufgewachsen ist er am Fuße der Reutlinger Alb. Hier lebt er mit seiner Familie und hier genießt er Ruhe und den freien Blick in wunderschöne Landschaft. Den leidenschaftlichen Kunstsammler fasziniert besonders afrikanische Kunst. Bei einer Auktion fiel sein Blick zufällig auf ein kleines unscheinbares Aquarell. „Schäfer mit Schafherde“, wurde von Jakob Plankenhorn Anfang des 20. Jahrhunderts gemalt. „Die Blickrichtung ist ähnlich der von unserer Terrasse aus. Auf dem Hügel da hinten haben wir Skifahren gelernt.“ Dieser ganz persönliche Bezug gab den Ausschlag, Rath kaufte das Kleinod und seine Aufmerksamkeit war geweckt.

Immer häufiger schauten er und seine Frau sich Bilder von Malern der Schwäbischen Alb an. Mittlerweile besitzen sie ziemlich viele. Darunter Bilder von Felix Hollenberg (1868- 1945) oder Christian Landenberger (1862-1927), die in Gomadingen und Albstadt eigene Museen haben. Etliche Werke stammen jedoch von Malern, deren Bekanntheit kaum über die Ortsgrenzen hinaus reichte.

Der rein materielle Wert dieser mittlerweile wohl umfangreichsten Sammlung von Alb-Malerei sei „überschaubar“. Martin Rath geht es vielmehr darum, „regionale Identität, wie auch die kulturelle und künstlerische Entwicklung anschaulich zu machen“. In den Gemälden ist die räumliche und gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen 150 Jahre sichtbar. Typische Alltagsszenen sind ebenso zu erkennen, wie vom jeweiligen Zeitgeist geprägte Vorstellungen von Natur und Idyll. Viele der Alb-Maler-Bilder zeigen die Landschaft, wie sie ausgesehen hat, als auch die große Militäranlage bei Münsingen gebaut wurde (1895).

Hier schließt sich der Kreis: Franz Tress, Gründer der gleichnamigen Nudelfabrik, hat weite Teile des ehemaligen Militärgeländes bei Münsingen erworben und plant sein „Alb-Gut“ als vielfältiges Tourismus-Magnet. Neben „Gläserner Produktion“, Herbergen, Festsälen, Gastronomie, einem Markt für regionale Produkte und vielem mehr, soll auch ein Kunsthaus das „Alte Lager“ beleben. Rath und Tress trafen zusammen. Der eine suchte Kunst, der andere hat sie und die Schwäbische Alb gibt das verbindende Element. Sie ließen die Wände in den vom Denkmalamt vorgeschriebene Pastelltönen streichen und hängten rund 160 Bilder in den 18 Stuben auf, in denen einst die Betten der Offiziere standen. Die Heizung funktioniert, die Wände sind trocken - mehr ist vorerst nicht nötig.

Im September wurde das Alb-Maler-Museum eröffnet.

 

Seither hat das Gebäude OF7 wohl schon mehr Besucher gesehen als in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Kein Wunder, denn das umgebende Biosphärengebiet ist zu jeder Jahreszeit für Wanderer und Spaziergänger wunderschön und das „Alte Lager“ historisch interessant. Das Biosphärenzentrum in direkter Nachbarschaft bietet für alle Altersgruppen hervorragend aufgearbeitete Informationen und vielerlei Veranstaltungen.

Besucher aus allen Regionen der Schwäbischen Alb tauchen im Alb-Maler-Museum in vergangene Zeiten, entdecken längst Vergessenes, kommen ins Gespräch, teilen Ansichten. Liebhaber von Malerei geraten genauso wie Alb-Freunde ins Schwärmen.

Martin Rath und sein Bruder Thomas, der die Ausstellung vor Ort betreut, erfahren in so manchem Gespräch mehr und mehr über die Künstler und über die Alb. Vieles davon schreiben sie auf, ein Ausstellungskatalog entsteht.

 

 Infos 

 

Alb-Maler-Museum,  Gebäude OF7

72525 Münsingen-Auingen

Telefon: 0176 982 338 41

www.albmaler.de

Geöffnet täglich, außer Montags, von 10 bis 18 Uhr.

 

 

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