Mit dem Tragschrauben über die Alb

Foto: Bernhard Bürkle

 

Werner Schrägle aus Sonnenbühl ist ein „Älbler“ durch und durch,
ein schwäbisches Urgestein mit sonnigem Gemüt, den nichts, aber
auch gar nichts aus der Ruhe bringen kann. Doch manchmal geht er regelrecht in die Luft: dann startet er auf dem Hayinger Flugplatz seinen Tragschrauber, nimmt kurz Anlauf und hebt einfach ab, den Wolken entgegen.

 Von Bernhard Bürkle

 

Werner Schrägle ist bekannt als der Biosphären-Flieger, und sein Fluggerät ist ebenso einmalig wie er selbst. Der Tragschrauber, fachlich auch Gyrokopter genannt, mutet zunächst wie ein kleiner Hubschrauber an, doch das Prinzip ist hier ein anderes. Der Propeller am Heck des zweisitzigen Vehikels sorgt nämlich nicht nur für den Vortrieb, sondern sein Luftstrom versetzt auch den eigentlichen Rotor in wirkungsvolle Drehung. So hält sich ein Tragschrauber im Prinzip in der Luft wie ein Ahornsamen, der allein durch sein Gewicht in sog. Autorotation versetzt wird – im Grunde eine recht sichere und in Jahrmillionen von der Evolution „entwickeltes“ physikalisches Prinzip.

Panorama

Und dennoch – ein etwas mulmiges Gefühl können seine Passagiere zunächst nicht verbergen, wenn sie das filigrane Fluggerät zum ersten Mal besteigen. „Das ist wie Motorradfahren in 3 D“, lächelt der Pilot und reicht den Helm mit integriertem Sprechfunk. Bitte anschnallen, entspannen und einfach genießen – wer mit dem Biosphären-Flieger unterwegs ist, bekommt nicht nur einen Erlebnisflug über die schönsten Landschaften der Schwäbischen Alb geboten, sondern ein unvergessliches Abenteuer. „Da sind nach der Landung schon des öfteren Tränen geflossen“, erzählt Werner Schrägle, „dieses einmalige Gefühl, sich so völlig ohne Kabine und Fenster einfach in die Lüfte zu erheben, das ist eben – im Wortsinn – ein erhebendes Gefühl.“ Die Aussicht ist natürlich sensationell, der freie Blick nach unten auf die sich windende Große Lauter, auf die beschaulichen Dörfer, auf Burgen und bunte Felder… „Besonders Menschen mit hoher beruflicher oder privater Belastung empfinden diese totale Befreiung von jeglicher Schwerkraft als emotional höchst bewegende Erfahrung. Im Grunde ist so ein Flug bereits eine Therapie gegen Stress und Burnout.“

Passagiere

Niemand kann einfach wieder aussteigen und gleich nach Hause fahren, zumeist stehen die Passagiere noch lange da und verarbeiten stumm das Erlebte. Und dann kann es passieren, dass der stets sonnige Pilot sie einfach in den Arm nimmt und mal eben kräftig drückt. Denn Werner Schrägle ist unter anderem auch Heiler mit entsprechender Ausbildung, der viele psychische und auch körperliche Probleme moderner Menschen zu behandeln versteht. Apropos Ausbildung: Insgesamt acht (!) Ausbildungen hat der schwäbische Tüftler und Erfinder absolviert. Eine seiner Erfindungen betrifft Menschen mit körperlichen Einschränkungen: Mobility Cube heißt der von ihm entwickelte, selbstbalancierende Rollstuhl, der auf nur einer Achse fährt und daher nahezu uneingeschränkt geländetauglich ist. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

Fotos: Bernhard Bürkle

 

Mehr Info:

www.biosphaeren-flug.de
www.mobilitycube.de

 

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