Vater und Sohn in Deutschlands kleinster Schauhöhle. Fotos: Bernhard Bürkle

 

Es gibt Wirtschaften, da scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, da ist alles noch wie früher – das Essen, die Wirtsleut‘, das ganze Flair einer Ära, in der die Menschen noch Zeit hatten und keine Handys. Zeit für gutes Essen und gute Gespräche, Zeit für lebendige Diskussionen anstelle von nimmermüden Displays und anonymen „Apps“.

 

Von Bernhard Bürkle

 

Eine  Wirtschaft, so wie früher, ist das „Rössle“ in Zwiefaltendorf, einer 500-Seelen-Gemeinde am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemächlich zieht hier die junge Donau vorbei,  den verdienten Feierabend verbringt man genießend in der einzigen Wirtschaft am Ort bei und mit der Wirtsfamilie Blank.

In der vierten Generation wird hier ein köstliches Bier gebraut und inzwischen auch Obst gepresst und Schnaps gebrannt. Man schrieb das Jahr 1878, als der Großvater des heutigen Seniorwirts gedachte, seinen Bierkeller zu vergrößern. Dabei brach plötzlich der Boden unter dem Pickel durch, und zum Vorschein kam eine Tropfsteinhöhle. Nicht sehr weitläufig zwar, doch immerhin begehbar ist dieser Hohlraum in der Tiefe, der heute wohl „die kleinste Schauhöhle Deutschlands“ ist, wie der Urenkel des Entdeckers Thomas Blank schmunzelnd erklärt. Mit interessierten Gästen aus nah und fern steigt er auf Wunsch hinunter in die Tiefe unter den Lagerkellern, wenn es die Zeit erlaubt. Aus noch größerer Unterwelt, nämlich aus 317 Metern Tiefe, direkt aus dem Karstgestein, kommt das Brauwasser, das für das Blank’sche Bier und seinen ausgezeichneten Geschmack mit verantwortlich ist.

Auch wenn es nicht so scheint in dieser Idylle, Zeit ist auch bei der Familie Blank knapp bemessen, wenn die Wirtschaft oben bis auf den letzten Platz gefüllt ist und alle eingespannt sind. Thomas Blank, ebenso Braumeister wie sein Vater Karl, bringt das Essen persönlich an die Tische, während die Mutter in der Küche echt schwäbische Spezialitäten zaubert, die es teilweise nur hier im Rössle gibt. Als junge Hauswirtschafterin war Ingrid Blank einst nach Zwiefaltendorf gekommen und hatte den Heiratsantrag von Karl Blank freudig angenommen. „Des war für mi wia a Lottogwenn“, strahlt Karl Blank noch heute mit leuchtenden Augen. Seine Frau könne einfach alles: kochen, die Bücher führen und bei Bedarf sogar englisch dolmetschen.  Wobei die Haus-Spezialität „Gröschts“, ein köstliches Gebrät aus zerkleinerten Innereien, dann doch nur schwer zu beschreiben oder gar zu übersetzen sein dürfte.

„Eigentlich sind wir, also die ganze Familie, immer da für unsere Gäste“, sagt Thomas Blank. Vor allem die täglichen Stammgäste wissen das zu schätzen, schließlich gehen sie ja „zom Blank“ und nicht etwa „ins Rössle“. Hier ist man daheim, trifft die richtigen Leute und kann mit dem Wirt gemeinsam am Stammtisch über große und kleine Weltgeschehen palavern. Gebrannt und gebraut wird direkt neben den beiden Gasträumen, den häuslichen Schlummertrunk nimmt man also anschließend direkt von hier mit. „Bei den Blanks sitzt man wie im zweiten Wohnzimmer, wie sind hier quasi daheim“, schwärmen die Einheimischen, die hier gerne auch gemeinsam singen und musizieren. Und die vielen Wochenendgäste tun gut daran, rechtzeitig im Rössle zu reservieren, denn auch das Nebenzimmer ist nicht allzu groß. Wobei in der warmen Jahreszeit auch die gemütliche Holzterrasse direkt über dem Bach zur Donau schnell gefüllt ist. Essen und Getränke werden dort ganz einfach durch’s Fenster gereicht, Hundebesitzer schöpfen das frische,kühle Nass mit einem Eimerchen direkt in den bereitstehenden Napf.  Fazit:  Die Brauereiwirtschaft „zum Rössle“ ist immer ein lohnendes Ausflugsziel, eine Insel in der Zeit jenseits von „Fast Food“ und „Coffee to go“, eine angenehme Ruheoase – natürlich ohne Handy-Empfang…!

 

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