Zu Besuch beim Schauspieler und Schriftsteller Winfried Wagner

 

Winfried Wagner ist Schauspieler, Schriftsteller und Humorist

Man kennt ihn aus dem Fernsehen, aus der SWR-Serie „Laible & Frisch“: Winfried Wagner alias Walter Leible. Eine Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben war und ist. Im Dezember 2017 kommt mit „Da goht dr Doig“ die lang erwartete Fortsetzung in die Kinos.

 

Von Tim Baldur

 

Wen Winfried und Sabine Wagner zu sich nach Hause einladen, für den steht der Herr des Hauses gerne in die Küche. Kochen ist seine zweite Leidenschaft, wie der Hausherr zugibt. Dabei legt er auch großen Wert auf heimische und regionale Produkte. Diesmal gibt es eine köstliche „Käswähe“, den Teig dazu hat er schon morgens vorbereitet. Garniert das ganze mit einem frisch angemachten Salat von seiner Frau Sabine. Gemütlich ist es in Dettingen an der Erms im Hause Wagner. Gemütlich und bodenständig eingerichtet, so wie es die Wagners selbst auch sind. Authentisch eben.

Und Winfried Wagner, 1949 in Metzingen geboren, gelernter Bankkaufmann und Absolvent der Hamburger Autorenschule, ist ein Schaffer, im besten schwäbischen Sinne. Gerade hat er sein 19. Buch „Die 30x30 besten schwäbischen Witze“ veröffentlicht. Die Veröffentlichung eines Buches ist für ihn nichts Aufregendes mehr. „Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Mutter einmal anrief und fragte, ob es etwas Neues gebe. Ich habe verneint, obwohl genau an diesem Tag mein sechstes Buch erschienen ist“, erzählt er. Schon daran könne  man sehen, wie schnell man sich an was gewöhnen könne, und fragt gleichzeitig, ob es denn noch etwas Käswähe sein darf.

Überhaupt, schreiben wird Winfried Wagner wohl immer. Ein Leben ohne Schreiben und Bücher ist für ihn nicht vorstellbar. Ein Rezept, wie man am besten schreibt ,hat auch er nicht. Man muss den Anfang und das Ende der Geschichte kennen, dann beginnt irgendwann während des Schreibens sich ein Eigenleben der Personen und der Geschichte zu entwickeln und man  muss aufpassen, dass  man Schritt hält und das Heft nicht aus der Hand gibt. „Geschichten findet man jeden Tag, man erlebt ja auch jeden Tag etwas“, sagt Wagner mit einem Schmunzeln. „Wenn ich da nur an unseren Urlaub auf Teneriffa denke, was da alles passiert ist…“.

Das Heft in der Hand, was die vielen Auftritte und die Vermarktung von Winfried Wagner überhaupt betrifft, das hat seine Frau Sabine. „Sie ist meine externe Festplatte“, sagt er mit einem liebevollen Lächeln an sie gerichtet. „Sie erinnert sich  noch auf den Tag genau an wirklich jedes Geschehnis und hat alle Termine, samt deren Dauer, im Kopf abrufbereit“. Bis Weihnachten sagt sie deshalb auch gleich, sind schon alle Wochenenden ausgebucht. Das kann man durchaus als Erfolg bezeichnen, vor allem, wenn man aussschließlich als „Missionar des Schwäbischen“ unterwegs ist.

Um dem allem gerecht zu werden, gibt es im Hause Wagner auch eine Arbeits- und Zeitaufteilung. Nach dem gemeinsamen Frühstück, seine Frau liest die Zeitung immer zuerst, geht jeder in seinen eigenen Arbeitsraum. Sabine bearbeitet alles Schriftliche, von Auftrittsanfragen über Buchbestellungen und alles andere. Winfried hingegen widmet sich jeden Morgen erst seiner Korrespondenz und beginnt dann entweder zu schreiben, eine Rolle zu lernen oder sich ganz konkret auf einen Auftritt vorzubereiten. Denn, auch das ist eines seiner Credos, es wird niemals genau denselben Auftritt von und mit ihm geben. Obwohl er, durchweg im positiven Sinne, „als alter Hase“ in diesem Geschäft bezeichnet werden kann, bereitet ihm eines mehr Lampenfieber als alles andere: dann, wenn er in seiner Heimat, sprich Dettingen oder Metzingen auftreten soll. Beispielweise bei den „Dettinger Kabaretttagen“. Nie und nimmer hätte er gedacht, dass da mit über 500 Besuchern die Schillerhalle gefüllt war. „So was ist immer ein ganz besonderes und tolles Erlebnis und eine riesengroße Bestätigung meines Schaffens“, gibt er unumwunden zu.  Und ein Datum wird  er auch nie mehr vergessen. Das war 1976. Als zum ersten Mal sein Name im Radio genannt wurde, als eines seiner Hörstücke veröffentlicht wurde.

Immer wenn ihr Mann einen Auftritt hat sitzt Sabine Wagner am Büchertisch, übernimmt in den Pausen den Verkauf und fertigt dazwischen die verschiedensten Handarbeiten.

Hinzu kommen seit dem Erfolg der Fernsehserie „Laible & Frisch“ auch immer wieder Drehtermine. So erst kürzlich für den Trailer des Kinofilms „Da goht dr Doig“ in einem Stuttgarter Boxcamp. „Das war und ist für mich eine ganz andere Welt, aber sehr interessant und spannend“, berichtet Wagner. Wenn man beispielsweise eine Szene vier- oder fünfmal wegen der Kameraeinstellung oder des Lichts drehen müsse. Mit Theaterspielen habe das nicht mehr viel zu tun.  Noch gut kann er sich an die Anfänge dieser Erfolgsstory erinnern. Ein junger Dettinger Student der Stuttgarter Filmakademie, namens Frieder Scheiffele, rief an und fragte, ob er denn einmal vorbeikommen könne. Scheiffele wollte den Dettinger Humoristen dazu überreden, für seine Abschlussarbeit acht Tage kostenlos zu Filmaufnahmen zur Verfügung zu stehen. Eben für den ersten Pilotfilm von „Laible & Frisch“. Mit diesem Pilotfilm hatte Scheiffele nicht nur seinen Abschluss mit Bravour bestanden, sondern der Südwestrundfunk war sogar bereit dazu, daraus eine Serie für das Vorabendprogramm werden zu lassen. Dieser Erfolg gipfelt jetzt im ersten Kinofilm mit „Laible & Frisch“, der nächstes Jahr in die deutschen Kinos kommen wird.

Und wie wird im Hause Wagner Weihnachten gefeiert? „Besinnlich, ruhig und  mit der Familie“, heißt hier die Antwort. Mit gemütlichem und gutem, selbstzubereitetem Essen und Gesprächen, mit Kraft tanken für die vielen neuen Aufgaben, die 2017 auf die Wagners zu kommen werden. Und viele werden sie sehen können, egal ob auf der Bühne, im Fernsehen im Kino oder entspannt mit einem Buch.

 

 Begegnungen mit Winfried Wagner 

 

  1. Februar, 18.30 Uhr, Trödlerburg in Esslingen (mit Menü), Telefon 0711/355558
  2. Februar, 18.30 Uhr, Gasthaus Ochsen in Cleebronn (mit Menü), Telefon 07135/974700
  3. Februar, 17 Uhr, Gasthaus Ochsen in Cleebronn (mit Menü), Telefon 07135/974700
  4. März, Kulturtreff Untertürkheim, Telefon 0711/50462891
  5. März, Beutelkasten in der Fessler-Mühle in Sersheim, Telefon 07042/33914
  6. März, 17 Uhr, Landgasthof Waldhorn in Auenwald-Däfern (mit Menü), Telefon 07191/312312
  7. März, Burg Hohenneuffen in Neufen (mit Menü), Telefon 07025/2206

Die Theatergruppe Boggschdarg führt 2017 das Theaterstück „So ein Schlawiner“ von Winfried Wagner in der Stadionhalle Waldenbuch auf. Termine sind am 14. , 21. und 28. Janar, am 4. Februar, am 18. und 25. März, am 1., 8. und 29. April sowie am 6. Mai. Beginn jeweils 20 Uhr.

Mehr unter: www.boggschdarg.de

 

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