Anke Arnold aus Metzingen (Kreis Reut lingen) ist 16 und begeisterter Junior - Ranger im Biosphärengebiet. Oft ist sie mit Naturschutzwart Martin Gienger unterwegs.

 

Von Andrea Maier

Die biologische Vielfalt in unseren Landschaften zu bewahren gelingt nur mit Menschen, die sich aktiv beteiligen. Seit 2008 gibt es das bundesweite Junior-Ranger-Programm, um auch Kinder und Jugendliche für Natur zu begeistern. Die 16-jährige Anke aus Metzingen gehört dazu.

 

Anke kann eine Hütte bauen, in der locker zwei Menschen bei Regen trocken bleiben und zur Not auch schlafen können. Genau ein Streichholz reicht ihr, um ohne Papier oder anderen Schnickschnack ein Feuer zu entfachen. Nein, nicht im Ofen, sondern draußen, an einer Grillstelle in freier Natur. Sie kann Spuren verschiedener Tiere lesen und kennt allerlei Beeren, Blüten, Sträucher und Bäume.

Anke kann vieles, das andere höchstens in Filmen gesehen haben – wenn überhaupt. Sie ist nicht die Heldin eines Computerspiels und auch keine Romanfigur. Anke ist 16, wohnt mit ihren Eltern in Metzingen und geht zur Schule. Nach dem Lernen geht sie reiten oder klettern. Während andere noch Markenklamotten oder virtuellen Helden hinterher jagen, trifft sie sich mit anderen Jungen und Mädchen, um Wacholderheiden frei zu schneiden, Nisträume für Wildbienen und andere Insekten zu bauen, Wildtiere zu beobachten, Brutplätze zu überwachen, aber auch um Infostände vorzubereiten, um Naturschutz auf Messeveranstaltungen, in Schulen, im Internet, für Zeitungen und fürs Fernsehen vorzustellen.

 

Anke ist Junior-Ranger im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Einmal im Jahr macht sie beim bundesweiten Treffen der Junior-Ranger mit, im vergangenen Jahr war sie zum ersten Mal beim internationalen Austausch am Niedersächsischen Wattenmeer dabei. Ankes Eltern unterstützen die vielfältigen Aktivitäten, „weil wir es super finden, dass Anke so viel Interessantes selbst erlebt und entdeckt, anstatt alles nur zu googlen.“

Begonnen hat alles mit einer klitzekleinen Fledermaus. Anke war sieben und besuchte das Schülerferienprogramm. Eine Leiterin brachte verletzte und heimatlose Fledermäuse mit, und wer wollte, durfte die winzigen Tiere sogar anfassen. Anke wollte. Es war null gruselig sondern wunderschön.

Fortan dachte Anke die ganze Zeit darüber nach, wie sie Fledermäuse schützen könnte. Währenddessen nahm sie an drei lustigen Mitmach-Aktionen Teil und bekam ganz mühelos den Junior-Ranger-Kid-Pass in Bronze. Das war's dann erst mal, doch nach einem Jahr besuchte sie jede Menge Kinder-Naturerlebnis-Veranstaltungen auf der Schwäbischen Alb, das war ziemlich spannend und sie holte sich dabei den Silber-Pass. Jetzt war der Junior-Ranger-Kid-Pass in Gold Ehrensache.

Als sie zwölf war, kam sie das erste Mal ins Naturschutzzentrum in Schopfloch. Gemeinsam mit anderen untersuchte sie Gewässer, entwarf Waldbilder, baute Hütten, machte Feuer, lernte mit Kompass und Karte umzugehen und beobachtete im Morgengrauen eine Fuchsmutter mit ihren Jungen. Jetzt war sie eine echte Junior-Rangerin, die sich für ökologische Landwirtschaft interessierte und über artgerechte Nutztierhaltung informierte.

Mittlerweile gehört Anke zum festen Team, sie ist Junior-Ranger-aktiv. An manchen Sonn- oder Feiertagen streift sie mit einem der beiden hauptamtlichen Naturschutzwarte des Landkreises Esslingen durch weite Teile des Biosphärengebietes Schwäbischen Alb. Derzeit ist sie mit Martin Gienger unterwegs.

Der engagierte Naturschützer wird 'Ranger' genannt, weil er auf einen Bereich des wundervollen Biosphärengebietes Schwäbischen Alb besonders intensiv Acht gibt. Er erläutert den Spaziergängern, Wanderern, Radfahrern, Joggern, Ski-Langläufern, warum es sich lohnt, besonders geschützte Zonen zu respektieren. Er zeigt auf, wie wertvoll beispielsweise das ungestörte Verwildern der Bannwälder für unzählige Lebewesen ist, wie (lebens-)gefährlich frei laufende Hunde oder laut grölende Menschen für Wildtiere sein können.

Der Ranger achtet darauf, dass die Naturschutzregeln eingehalten werden. Anke begleitet ihn gerne „auf Streife“. Sie mag es da draußen, weil sie „richtig tief durchatmen kann“. Sie liebt es, dem Bannwald beim Verwildern zuzuschauen, das Konzert der Vögel in voller Lautstärke zu hören, aus Spuren spannende Geschichten zu lesen und meist hundemüde, aber ziemlich glücklich heim zu kommen. Bleibt da Zeit für Freunde? „Na klar“ lacht sie, „mit anderen Junior-Rangern zusammen macht das alles ja erst richtig Spaß.“ Und die Leute, die sie von den bundesweiten Treffen kennt, sind Dank WhatsApp manchmal auch fast ganz nah dabei.

 

 Info: 

Am Junior-Ranger-Programm im Biosphärengebiet Schwäbische Alb können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene beteiligen.

Die Stufe I – Junior-Ranger-Kid ist für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren.

Die Stufe II - Junior-Ranger ist für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren.

Die Stufe III – Junior-Ranger-aktiv schließt sich an die Stufe II an und bietet die Möglichkeit aktiv für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb mitzuarbeiten.

Das Junior-Ranger-Programm gibt es in ganz Deutschland in vielen Biosphärenreservaten, National- und Naturparks. Auch wer dort Urlaub macht, kann beispielsweise „Junior-Ranger-auf-Entdecker-Tour“ werden. Ein paar Großschutzgebiete können auch virtuell, also am PC, besucht werden.

(www.juniorranger-alb.de).Infos auch bei der Geschäftsstelle Biosphärengebiet und Biosphärenzentrum Schwäbische Alb Von der Osten-Str. 4,6 (Altes Lager), 72525 Münsingen-Auingen, Tel. 07381/93293811