Foto: Dieter Ruoff/Schwäbische Alb Tourismus

Großflächige Streuobstwiesen prägen die Landschaft des Voralbgebietes und die Hänge hinauf auf die Alb. Was heute als einzigartige Kulturlandschaft gepriesen und geschützt wird, hatte über viele Jahrzehnte nicht mehr die Beachtung gefunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Dörfer und Städte mehr Platz benötigten, Gewerbegebiete erschlossen und Straßen gebaut wurden, mussten vor allem die Baumwiesen weichen.

Die Rodung ausgedehnte Streuobstflächen wurde zeitweise sogar prämiert. Dem einstigen Grüngürtel um die Ansiedlungen, der über Jahrhunderte Viehfutter und Obst lieferte und zugleich die Häuser vor Wind und Trockenheit schützte, drohte das Aus.

Dass es nicht soweit kam, ist wohl auch den Umwelt- und Naturschützern zu verdanken, sie sich schon früh für den Erhalt der Streuobstwiesen stark machten und schließlich auch bei den politisch Handelnden Gehör fanden. Denn das „Wiesle“ ist auch ein ganz besonderer Lebensraum für viele Tiere.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat eindrucksvoll zusammengestellt, wer sich das Jahr über auf der Streuobstwiese tummelt und wie wichtig die Bäume für die Lebewesen sind. Im Wurzelbereich leben nicht nur Mäuse und Igel, Regenwürmer oder Nacktschnecken, sondern auch Eidechsen und Blindschleichen. Der Stamm, oft mit Pilzen, Flechten, Moos oder Algen bewachsen, ist die Heimat von Käfern, Ameisen, Asseln und Holzwespen. Buntspecht, Gartenbaumläufer, Wendehals, Gartenrotschwanz und Steinkauz nisten in Baumhöhlen und größeren Astlöchern. Auch Siebenschläfer oder Fledermäuse finden hier ein Plätzchen.- In den Baumkronen brüten Singvögel wie Buchfink und Singdrossel. Turmfalke und Mäusebussard nutzen die Bäume als Ansitz bei der Jagd. Die Blätter der Bäume dienen Insekten und Larven als Nahrung. Von Pollen und Nektar der Blüten leben Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge. Viele Früchte sind wichtiger Nahrungsbestandteil verschiedener Vogelarten und das Fallobst bereichert den Speiseplan von Igel, Dachs und Reh. Bis zu 320 verschiedene Tierarten können einen Obstbaum bevölkern.

Heute genießen die Streuobstwiesen einen hohen Stellenwert. Zahlreiche Initiativen rücken die Bedeutung der alles andere als pflegeleichten Flächen in den Fokus. Haben die Eigentümer einer Streuobstwiese früher kaum etwas das gepflückte oder aufgesammelte Obst bekommen, hat sich das inzwischen geändert. Viele Keltereien zahlen inzwischen einen deutlich höheren Preis und verwerten die Früchte auch anders als einst. Inzwischen gibt es zum Beispiel sortenreine Apfelsäfte. Und nicht nur das. Die Anfang des Jahrhunderts im Landkreis Göppingen von vier Keltereien gegründete Qualitäts-Obstweininitiative gab sich mit Fruchtsäften, Destillaten und Most als bis dahin einzige Produkte von Früchten der Streuobstwiesen nicht zufrieden und ging sogar noch einen Schritt weiter. Die mit Unterstützung der Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg entwickelten sortenreinen Obstweine aus Früchten der Streuobstwiese unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Obstweinen. Zu den Besonderheiten des Qualitäts-Obstweins zählen eine schonend gekühlte Vergärung, individuelle, feine und intensive Aromen mit runden Geschmacksnuancen, keine Aufzuckerung zur Gärung, wodurch die Obstweine ein leichter Begleiter zum Essen sind, sowie ein hoher Gerbstoffgehalt durch die Verwendung alter Obstsorten. Eine pfiffige Vermarktung dieser Produkte trägt dazu bei, dass die Obstweine heute in vielen Spitzenlokalen in Deutschland auf der Karte stehen.

Hoch im Kurs stehen inzwischen auch die vielen Obstfeste in der Region, die das Bewusstsein für die Streuobstwiesen schärfen sollen. Mit über 20 000 Besuchern zählt das alle zwei Jahre stattfindende Schlater Apfelfest (Landkreis Göppingen) zu den publikumsträchtigsten Veranstaltungen. In vielen Gemeinden gibt es zudem liebevoll angelegte Streuobstlehrpfade, die vor allem über die alten Obstsorten informieren.

Die Streuobstwiesen zwischen Alb, Neckar und Rems bilden eine der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaft in Europa. Auf etwa 26 000 Hektar stehen rund 1,5 Millionen Obstbäume mit einer beinahe einzigartigen Sorten- und Artenvielfalt. Der 2012 gegründete Verein Schwäbisches Streuobstparadies, der über 240 Mitglieder zählt, will diese besondere Landschaft erhalten und hat sich daher in den Bereich Marketing und Tourismus, sowie Bewirtschaftung, Naturschutz und Vermarktung Aufgaben gestellt. So will der Verein die Bewusstseinsbildung zur Streuobstwiese fördern, touristische Leitprodukte entwickeln, bestehende Angebote bündeln, einen Mehrwert für Streuobstwiesenbewirtschafter schaffen, Fortbildungsangebote für Profis und Laien unterbreiten oder Streuobstprodukte weiterentwickeln oder vermarkten. Mit zwei zugkräftigen Veranstaltungsreihen tritt der Verein an die Öffentlichkeit: Zum einen mit dem „Schwäbischen Hanami“ zur Obstbaumblüte im Frühjahr und mit der Reihe „Das Paradies brennt“ im Herbst.

 

 

 Info: 

Schwäbisches Streuobstparadies e.V.

Bismarckstr. 21

72574 Bad Urach

www.streuobstparadies.de

 

 

 

Kasperle jagt die Apfelräuber


Kasper freut sich über den Apfelkorb. Foto: Rüdiger Gramsch

Räuber klauen Großmutters gut gefüllten Korb mit Äpfeln von der Streuobstwiese. Darüber ärgern sich vor allem Kasper und seine beiden Freunde, der Hund Bello und Seppl, denn aus den Äpfeln wollte die Großmutter leckeren Saft pressen. Die Äpfel müssen wieder her. Kasper und seine beiden Freunde jagen die Räuber und erfahren dabei viel über die Bedeutung der Streuobstwiesen. Die Villinger Puppenbühne hat das Stück speziell für Kinder inszeniert, die auf diese Weise viele Informationen über die einzigartige Kulturlandschaft erfahren. Am Ende werden die Räuber geschnappt und Großmutter kann ihren Apfelsaft pressen. Der mitreisende Kinderzauberer Pfiffikus verblüfft im Anschluss an das Stück mit seinen Tricks. Zu den Zauberutensilien gehören natürlich Äpfel. Das Programm eignet sich bestens für Kinderunterhaltung bei Veranstaltungen zum Thema Streuobst, aber auch für Grundschulen, die sich mit dieser Thematik befassen. Zu buchen ist das Streuobstwiesen-Programm bei der Matis-Media Verlagsgesellschaft mbH in Göppingen, Mail: info@maitis-media.de

 

 

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