Klarer Himmel

9.5°C

Stötten

Klarer Himmel

Wind: 1 m/s

Erlebnis

 

Über 141 Stufen hinab in eine andere Welt

 

 

Text: Rüdiger Gramsch

Der Weg führt weder in die Hölle noch zum Mittelpunkt der Erde. Doch wer ihn gehen möchte, steigt tief hinab. 141 Stufen sind es vom Sonnenlicht hinunter in die Nebelhöhle auf der Schwäbischen Alb. Nichts für Fußkranke und Menschen mit Arthrose in den Knien, alle anderen entdecken – unten angekommen – eine andere Welt.

Die Nebelhöhle ließ in früheren Zeiten die Menschen gruseln. Ihnen war nämlich überhaupt nicht wohl dabei, wenn sie im Winter Nebel aus einem Loch aufsteigen sahen. Schauergeschichten wurden da erzählt und Löcher, die in ungewisse Tiefen führten, wurden mit Geistern und Dämonen in Verbindung gebracht. Dass es sich bei dem Nebelloch heute um eine der schönsten Schauhöhlen Süddeutschlands handelt, konnten die Menschen damals nicht ahnen. Die Höhle zwischen Genkingen, einem Ortsteil von Sonnenbühl, und Lichtenstein wurde gleich zwei Mal entdeckt. Aufzeichnungen zu Folge wusste man schon Mitte des 15. Jahrhunderts von der Tropfsteinhöhle, 1920 wurde ein weiterer Teil erkundet, was auch zum Bau des heutigen Höhleneingangs führte.

813 Meter lang ist die Tropfsteinhöhle, 450 davon sind für die Besucher erschlossen. Wer hinabsteigt durchquert deshalb zunächst den „neuen“ Höhlenteil und kommt später in die nur vor 1920 bekannte Höhle. Diese hatte schon in früheren Jahrhunderten Besucher in ihren Bann gezogen. Einer der bekanntesten war wohl Herzog Ulrich von Württemberg. Allerdings nicht ganz freiwillig. Der Herzog soll 1519 in die Höhle geflohen sein, nach der missglückten Einnahme der Reichsstadt Reutlingen. Zwei Wochen soll sich der Herzog tagsüber in der Höhle aufgehalten haben, die Nächte habe er auf dem vier Kilometer nahen Schloss Lichtenstein verbracht.

45 000 Menschen jährlich besuchen die Nebelhöhle heute im. Viele von ihnen dringen auch bis in die letzte Halle vor. Diese hat in der Nähe des „Großen Sees“ noch eine Kuriosität zu bieten: den abgesägten Tropfstein. Der war der größte in der ganzen Höhle. Ein Stalagnat, über viereinhalb Meter hoch, der den Höhlenboden und die Decke verband. Für die Restaurierung des durch die Zweiten Weltkriegs schwer beschädigten Neuen Schlosses in Stuttgart wurde er 1961 abgesägt und fand, aufgeschnitten in Scheiben, bei der Wiederherstellung der Schmuckfelder im Treppenhaus neue Verwendung. Trotz dieser „Rodung“ weist die Nebelhöhle viele prächtige Bodentropfsteine auf. Vor allem in der zweiten Halle lässt ein ganzer Tropfsteinwald die Besucher begeistern und um einen mannshohen Tropfstein mitten auf dem Weg herumlaufen. 

Info Die Nebelhöhle wird von der Nebelhöhlenvereinigung Sonnenbühl-Lichtenstein GbR betrieben. Am Eingangsgebäude ist auch eine Broschüre erhältlich, die neben der Höhlen-Geschichte auch über Fledermäuse und Lampenflora informiert. Eine Multimedia-CD bietet eine umfassende Darstellung der Höhle und ihrer Geschichte. Weitere Infos, auch zu Sonderführungen. Bei der Tourist-Info in Sonnenbühl, Telefon 07128 -92518.

 

 

 

Die Römerzeit neu erleben

 

 

Das Limes-Museum in Aalen öffnet nach rund zweieinhalbjähriger Schließung, Umbauten und einer energetischen Sanierung am 24. Mai mit einer neuen Dauerausstellung wieder seine Tore. Das Gesamtprojekt wurde als Kooperation zwischen der Stadt Aalen und dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg geplant und umgesetzt. Insgesamt wurden gemeinsam von Stadt, Land und Bund rund 8,5 Millionen Euro investiert. Vom neu gestalteten Vorplatz aus betritt der Besucher zunächst das grundlegend veränderte, großzügige Foyer des Hauses mit Empfangstheke, Museumsshop und einem kleinen Museumscafé. Von hier aus gelangt man entweder in die Dauerausstellung, auf das Freigelände mit den Überresten des römischen Kastells oder aber in den neuen Sonderausstellungsbereich im Obergeschoss des Museums. 

Die völlig neue Dauerausstellung mit über 1200 Originalfunden wird auf einer erweiterten 1500 Quadratmetern großen Ausstellungsfläche präsentiert. Im Erdgeschoss tauchen die Besucher dabei zunächst ein in das Leben am Limes vor 1800 Jahren. In einem ersten Schritt werden die Entwicklung des römischen Reiches, seine Herrschaftsideologie, sein Verständnis von Grenzen und das Verhältnis der Römer zu den Germanen erläutert. So lässt sich begreifen, warum die Römer hier im heutigen Süddeutschland überhaupt einen Limes errichteten. In einem zweiten Schritt lernt der Besucher dann anhand von konkreten archäologischen Objekten sieben Personen kennen, die im römischen Aalen gelebt haben. Er begleitet diese Soldaten und Zivilisten in ihre spezifischen Lebensbereiche - am Limes, im Kastelldorf und im Kastell. 

Im zweiten Teil der Ausstellung im Obergeschoss kehrt der Besucher aus der Römerzeit in die Gegenwart zurück. Er begibt sich auf eine archäologische Entdeckungsreise entlang der 164 Kilometer langen Limesstrecke in Baden-Württemberg. An 14 spezifischen Orten erfährt er so, was heute noch vom Limes übriggeblieben ist. Das breite Spektrum der baulichen Überreste und eine Vielzahl bedeutender Einzelfunde verdeutlichen dabei den außergewöhnlichen und universellen Wert des Limes als Unesco-Welterbe. Moderne Medienangebote bieten dabei die Möglichkeit selbst als Forscher bzw. Archäologe aktiv zu werden, um die vielfältigen Geheimnisse entlang des Limes zu entschlüsseln. Den Abschluss der Ausstellung bildet schließlich ein Epilog, der den Blick weitet und das Thema Grenzen und deren Intention, Funktion und Wirkung an historischen wie aktuellen Grenzen aufzeigt.

 Info: www.limesmuseum.de
1-2019

 

 

Ohne Metzger geht es nicht 

 

Gut, dass es die Metzger gibt. Ohne sie wäre der traditionsreiche Schäferlauf von Bad Urach in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingemottet worden. Die Fleischer retteten buchstäblich in letzter Minute die Veranstaltung, die auf eine Anordnung von Herzog Eberhard Ludwig im Jahre 1723 zurückgeht. Dieser hatte den Schäfern auf der Alb die weite Reise zum Markgröninger Schäfertag ersparen wollen. Rund um den Wettkampf junger Schäfersöhne und Schäfertöchter mit Preishüten und legendärem Schäferlauf um die Schäferkrone findet ein großes Volksfest mit Tausenden Gästen statt. Gefeiert wird in diesem Jahr vom 19. bis 22. Juli.

Bis 1828 und damit über 100 Jahre lang lag die Durchführung des Schäferlaufs allein in den Händen der Schäferzunft. Doch weil es immer weniger Schäfer gab, löste diese sich auf. Der Schäferlauf in Bad Urach stand aufs Messers Schneide. Die Metzgerzunft und die Stadt sprangen schließen ein und übernahmen die Aufgabe der Festorganisation. Viele Metzger hatten enge Verbindungen zu den Schäfern oder waren selbst nebenbei Schafhalter. Als eine Art Bürgergarde übernahmen die Metzger als Kreisreiter zudem Aufgaben im Bereich der öffentlichen Ordnung und sorgten beispielsweise für einen geordneten Ablauf der Festspiele. Aus dieser Zeit resultiert auch die hervorgehobene Stellung, die die Metzger bis heute beim Schäferlauf haben. Die fünf Kreisreiterpaare sind eine der traditionsreichsten Gruppen beim Uracher Heimatfest.

 D’Schäferlies“ - ohne das Theaterstück von Hans Reyhing wäre das Uracher Traditionsfest nicht denkbar. Seit 1923 gehört der volkstümliche Konflikt zwischen Ackerfurche und Schäferweide zum festen Bestandteil des Festes. Das Stück spielt um das Jahr 1800 auf der Schwäbischen Alb. Das schwere ländliche Leben fordert ein gemeinsames Miteinander. Doch lediglich ein Stück Land reicht aus, um Schäfer und Bauer gegeneinander aufzubringen. Weide- oder Ackerland – was ist wertvoller? Trotz des existenziellen Konflikts zwischen Schäferbauer und Kirchenbauer macht auch zwischen diesen Häusern die Liebe nicht Halt.

Zu Ehren des neu gekrönten Schäferkönigspaars tritt seit 1927 nach dem Wettlauf der Uracher Schäferreigen auf. 16 Paare tanzen rund 15 Minuten lang nach der Melodie der „Halltaler Polka“. Der Schäferreigen ist der vielbejubelte letzte Höhepunkt im Programm auf dem Festplatz. Entwickelt wurde der Schäferreigen vom damaligen Oberturnwart Paul Lander. Die Leitung des Schäferreigens obliegt Oberschäfer Roland Scheu. Die offizielle Festmusik ist seit vielen Jahrzehnten der Musikverein Upfingen. Die Festmusik begleitet den Schäferreigen bei dessen Darbietung auf dem Festplatz Zittelstatt. Traditionsgemäß wird auch die Tagwache ab 5 Uhr morgens vom Musikverein Upfingen gespielt. Herzog Eberhard Ludwig wollte 1723 mit dem Schäferlauf in Urach den Schäfern den langen Anmarsch nach Markgröningen ersparen. Der Uracher wurde für die Städte und Ämter Tübingen, Kirchheim/Teck, Nürtingen, Bebenhausen, Neuffen, Balingen, Tuttlingen, Pfullingen, Ebingen, Münsingen, Steußlingen, Klosteramt Pfullingen, Kloster Offenhausen, Neidlingen, Gomaringen, und benachbarte Orte eingerichtet. Alle Angelegenheiten, die die Schäferei betrafen, wurden bei dem Schäfertag vom Schäfergericht behandelt. Nach Erledigung dieser ordentlichen Geschäfte folgte ein froher Abschluss: der Schäferlauf, ein Wettlauf der ledigen Schäfer und Schäfertöchter über ein Stoppelfeld mit entsprechenden Preisen für die Sieger.

Ende des vergangenen Jahres teilte die Deutsche Unesco-Kommission mit, dass der Schäferlauf in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird. Die drei Schäferlaufstädte Bad Urach, Markgröningen und Wildberg hatten den entsprechenden Antrag gemeinsam erarbeitet und eingereicht.

 Info: www.badurach-schaeferlauf.de
1-2019

 

 

 

 

Im unendlichen Garten
 

 

Vom 10. Mai bis zum Oktober verwandelt sich das Remstal in einen unendlichen Garten. Die Remstal Gartenschau 2019 ist die bundesweit erste Gartenschau, die in 16 Städten und Gemeinden, drei Landkreisen und zwei Regionen stattfindet. Die Partner verwandeln das Remstal von der Quelle der Rems in Essingen bis zur Mündung in den Neckar in ein riesiges Ausstellungsgelände. Die einzigartige Vielfalt des Remstals wird den Sommer über in unzähligen Ausstellungen, Aktionen und Veranstaltungen in Szene gesetzt. Auf Bewohner wie Besucher warten auf 80 Kilometern eine Vielzahl städtebaulicher, landschaftsgestalterischer und ökologischer Lebens- und Erlebnisräume. 

Die Herausforderung, der sich die Gemeinden zwischen Essingen und Remseck am Neckar gestellt haben, war groß. Wie sollen die teilnehmenden Kommunen ihre Gemeinsamkeiten verbinden und ihre Eigenheiten zu Attraktionen werden lassen? Das Konzept sieht unter anderem so genannte Themenbänder vor. „Garten“ und „Wasser“ sind zum Beispiel solche übergeordnete Themen, „Kultur“, „Genuss“ und Wandern gehören ebenfalls dazu, um die die Kommunenzwischen Remsquelle und Remsmündung zu verbinden. Die Lebensader Rems wird vielerorts wieder in den Blick gerückt: Neue Zugänge machen den Fluss wieder erlebbar, Spielplätze und Sitzgelegenheiten am Wasser laden zum Verweilen ein. Die Innenstädte werden zur grünen Mitte: Aufgewertete Parks und Grünanlagen machen Ihren Aufenthalt noch attraktiver. Einheitliche Rad- und Wanderwege leiten die Besucher entlang der remstaltypischen Streuobstwiesen und Weinberge in die 16 Gartenschau-Kommunen. Zwischen Weinstadt und Waiblingen wird eine durchgängige Kanuroute mit Rastplätzen eröffnet. Auch Kulturliebhaber kommen im Remstal auf ihre Kosten: Es entstehen eindrucksvolle Landmarken von 16 namhaften Architekten aus ganz Deutschland, die sich an dem außergewöhnlichen Architekturprojekt „16 Stationen“ beteiligen. Gastronomen und Winzer laden zu einzigartigen Genusstouren mit dem Genuss-Bus. Unzählige Veranstaltungen und Führungen machen das Remstal zur großen Bühne und die 350 000 Remstäler zu Gästen und Gastgebern. 

Die Remstal-Gartenschau beginnt in den Kommunen zwischen dem 10. und 12. Mai. Die Tageskarten kosten 8,00 Euro (Erwachsene), Kinder- und Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt. Ermäßigt kostet die Tageskarte 6.50 Euro. Die Remstal-Card für die Gesamtdauer der Gartenschau kostet 45,00 Euro. Kostenpflichtige Bereiche sind in Schorndorf der Schlosspark und Stadtpark, in Schwäbisch Gmünd der Remspark, der Bereich am Josefsbach, Rund um den Zeiselberg und Teile der historischen Innenstadt.

Infos: www.remstal.de
1-2019

 

 

 

 

Hinab in die Tiefe

 

 

 

Text: Andrea Maier

 

Wenn es auf der Schwäbischen Alb regnet, löst der Niederschlag den kalkigen Felsboden langsam auf und es entstehen Risse, die sich zu Spalten ausweiten. Unzählige Höhlen wurden mit der Kraft des Wassers ausgewaschen und haben die Schwäbische Alb über Jahrmillionen zu einer der höhlenreichsten Regionen Europas werden lassen. Rund 2600 Höhlen sind bislang bekannt, die meisten davon weitgehend erforscht. Viele der zahlreichen Karstquellen haben ihren Ursprung in dem unfassbar komplexen unterirdischen Höhlensystem, das den gesamten Höhenzug des schwäbischen Mittelgebirges durchdringt. In Höhlen wird der Lauf der Zeit sichtbar. Sie zeigen nicht nur die  Geologie sondern auch die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Unseren Urahnen dienten Höhlen als Wohnraum, aber auch als Kultstätte. Weltweit einzigartige archäologische Funde, wie beispielsweise die ältesten Kunstwerke und Musikinstrumente der Welt, wurden in Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt.

Höhlen sind noch dazu reich belebte Biotope, die gesetzlichen Schutz genießen und von Besuchern respektvolle Rücksichtnahme fordern. Seltene Fledermausarten verbringen in ihnen ihre Winterruhe (von Oktober bis März/April). Verständlich, dass die Hohlräume in dieser Zeit nicht betreten werden dürfen.Viele der interessantesten und schönsten unterirdischen Räume sind als Schauhöhlen für Besucher zugänglich. In etlichen Gemeinden engagieren sich Mitglieder von Höhlen-Vereinen. Bei fachkundigen Führungen teilen die Höhlenfachleute ihr Wissen und ihre Begeisterung mit Besuchern jeden Alters. Faszinierende Erlebnisse in der atemberaubenden Unterwelt der Alb sind garantiert. Besonders in der wärmeren Jahreszeit locken die kühlen, in Dunkelheit gehüllten unterirdischen Räume Tausende Menschen an. Selbst an heißen Sommertagen ist bei den Erkundungen eine Jacke und festes Schuhwerk zu empfehlen, da sich in der reinen Luft der grandiosen Unterwelt Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen sieben und zehn Grad Celsius das ganze Jahr über halten. 

Die Wimsener Höhle ist die einzige mit dem Boot befahrbare Wasserhöhle in Deutschland. Der Fährmann entführt die Besucher 70 Meter tief ins mystische Erdinnere und erklärt Entstehung, Geschichte und Geologie. Der Weiler Wimsen liegt im romantischen Aachtal zwischen Hayingen und Zwiefalten und ist Ausgangspunkt für sagenhafte Wanderungen. Die Tiefenhöhle Laichingen ist die einzige begehbare Schachthöhle und eine der tiefsten Schauhöhlen Deutschlands. Mit 80 Meter Tiefe und 1253 Meter Gesamtlänge zählt sie zu den bedeutendsten Karstobjekten der Schwäbischen Alb. Über schmale Eisentreppen steigen Besucher 330 Meter weit bis in eine Tiefe von 55 Meter. Dort sind gewaltige Schächte und große Hallen zu bewundern. Im Rasthaus nebenan lädt ein höhlenkundliches Museum zum Lernen und Staunen ein.  Die Sontheimer Höhle ist die älteste Schauhöhle Deutschlands. Hier wurden 1977 bei Ausgrabungen Grabstätten der frühen Alamannen und der Kelten gefunden.  Schon vor 20000 Jahren war die Bärenhöhle bei Erpfingen ein besonderer Ort: Knochenfunde zeugen davon, dass Nashörner, Höhlenlöwen und Bären in der Tropfsteingrotte lebten. Vor etwa 8000 Jahren war die Bärenhöhle Heimat von Höhlenmenschen. Erst vor 50 Jahren wurde diese Höhle, die mit der seit 1834 bekannten Karlshöhle verbunden ist, entdeckt und für Besucher geöffnet. Die Bärenhöhle ist auf 271 Metern begehbar.  

Der Hohle Fels im Achtal nahe Schelklingen ist eine der größten Hallenhöhlen der Schwäbischen Alb. Hier finden nach wie vor Ausgrabungen statt. Der wohl bedeutendste Fund ist die Venus vom Hohlen Fels - die älteste Figur einer Frau sowie die älteste figürliche Darstellung eines Menschen überhaupt. Archäologische Forschungen belegen, dass eiszeitliche Tiere und Menschen in den selben Zeitepochen hier gelebt haben. Waffen, Schmuck und Kunstobjekte wie beispielsweise ein Pferdekopf, ein Wasservogel und der 'Kleine Löwenmensch', die alle 35.000 - 40.000 Jahre alt sind, wurden hier gefunden.
1-2018

 

 

Die Stange bleibt am Mann

Text: Barbara Honner

 

Der Stocherkahn ist aus Tübingen nicht mehr wegzudenken. Er gehört zur Stadt und zum Neckar wie die Universität und die Wissenschaft. Seine Form gleicht einem schmalen, bis zu zwölf Meter in die Länge gezogenen Holzboot, ähnlich einer Gondel, an deren Heck der Stocherer aufrecht stehend mit einer fast sieben Meter langen Stange sich vom Grund des Flusses abstößt und so die Richtung und Geschwindigkeit bestimmt. Stocherkahnfahren ist eine schwäbisch-gemütliche Angelegenheit und sehr kommunikativ. Die Mitfahrenden sitzen sich entlang der Längsseiten des Kahnes gegenüber und lehnen sich entspannt gegen die hohen Rückenbretter zurück. Man gleitet gemächlich durch die üppig-grüne Ufervegetation, „schwätzt“ miteinander, bewundert dabei die romantische Kulisse der Tübinger Neckarfront und beobachtet den Stocherer bei seiner Arbeit. Dem Betrachter auf der Neckarbrücke bietet sich beim Anblick der ruhig dahingleitenden Stocherkähne auf dem Neckar stets eine beschaulich-dekorative Szene, die zu den schönsten (Erinnerungs-)bildern und Motiven von Tübingen gehört. Stocherkahnfahren ist immer noch ein touristisches „Alleinstellungsmerkmal“, das Tübingen neben der Altstadt anziehend und unvergesslich macht.

Einmal im Jahr kommt es auf dem beschaulich dahinplätschernden Neckar zur „Schlacht der langen Kähne“. Dann findet das Stocherkahnrennen statt. In diesem Jahr am 31. Mai (Fronleichnam). Gegen Mittag zeigen die Besatzungen bei einem "Cat-Walk" zu Wasser ihre ausgefallenen, fantasievollen und lustigsten Kostümkreationen. Diesen Teil des Stocherkahnrennens sollte man auf keinen Fall verpassen. Denn jetzt zeigen sich die Römer, Buddhisten, Blues Brothers, Schlümpfe, Minions und Götter in ihrer schönsten Pracht. Jetzt wird es plötzlich eng auf dem Neckar. Über vierzig Kähne mit je acht Personen besetzt drängeln sich dann dicht an dicht am Hirschauer Steg (auf Höhe der Eisenbahnbrücke), um auf den Startschuss zu warten. Das Stocherkahnrennen beginnt, und damit eines der lustigsten und wildesten Spektakel im Tübinger Veranstaltungskalender.

Teilnehmen kann jeder, der in Tübingen einen Stocherkahn besitzt und diesen beim Liegenschaftsamt ordnungsgemäß angemeldet hat. Wer zuschauen kann, reserviert sich frühzeitig einen der Logenplätze auf der Eberhardsbrücke und auf der Platanenallee – selbstverständlich kostenlos -, um von dem gut einstündigen Rennen so viel wie möglich zu sehen. Denn bis zur zwei Kilometer entfernten Ammertalbahnbrücke, dem Zieleinlauf, sind einige Hindernisse und Schikanen zu überwinden, die seit Beginn des Rennens im Jahr 1956 zu den unumstößlichen Regeln gehören. Da ist das „Nadelöhr“, die heikle Engstelle unter der Neckarbrücke, die alle Kähne unter dem Gejohle Tausender sensationslustiger Zuschauer als Achterschleife passieren müssen. Hier kommt es zu den mit freudiger Spannung erwarteten Stauungen und Kollisionen. Stocherstangen krachen aufeinander, unentwirrbare Bootsknäuel entstehen, die Besatzung paddelt mit bloßen Armen wie um ihr Leben, während andere bereits wasserschöpfend den Kahn vor dem nahen Absaufen zu retten versuchen. „Die Stange bleibt am Mann!“ heißt die Devise. Es wird geschrien, gekämpft und gelacht. Versenkt!

Die Kostümgewinner werden mit einem Spanferkel belohnt. Die Gewinner erhalten den Wanderpokal und ein Fass Bier. Die Verlierer und Havaristen trifft es härter: sie müssen vor aller Öffentlichkeit unter dem frenetischen Beifall der Zuschauer einen halben Liter Lebertran trinken – einer der Höhepunkte des Festes, der den Verlierer zum heimlichen Sieger macht. Und während die Ersten das Freibier für den Festabend besorgen, müssen sich die Letzten schon einmal Gedanken über die Ausrichtung des nächsten Stocherkahnrennens machen. So will es die Regel. 1956 fand das erste Stocherkahnrennen in Tübingen statt. Die Studentenverbindung Lichtenstein wollte so die Einweihung ihres neues Stocherkahns feiern. Sieben Kähne gingen damals an den Start. Heute sind es  fast 50.  Der Kostümwettbewerb wurde 1967 eingeführt. Das Stocherkahnrennen beginnt um 13 Uhr mit der Kostümparade. Eine Stunde später startet das Rennen am Hirschauer Steg auf der Höhe der Eisenbahnbrücke. Wendepunkt ist die Neckarbrücke mit dem Spaß am Nadelöhr.

 

Info  www.tuebingen-info.de
1-2018

 

 

 

Kurvenreiche Strecken

 

 

Die Schwäbische Alb ist ein Paradies für Bikerfreunde. Die Motorradstrecken führen durch eine wunderschöne Landschaft, durch sanfte Berglandschaften mit tollen Felsformationen. Fahrtechnisch kommen die Motorradfahrer hier  auf ihre Kosten, da es zahllose, sehr kurvenreichen Strecken gibt. Insgesamt hat die Schwäbische Alb zwölf Berge mit einer Höhe von mehr als 1000 Metern. Dazu liegen an den Strecken viele Sehenswürdigkeiten und attraktiven Aussichtspunkten. Auch haben sich an den beliebtesten Strecken viele Gaststätten auf den Besuch der Biker eingestellt, zum Teil sind regelrechte Bikertreffs entstanden. Wer Mehrtages-Touren plant, kann auch in speziellen Motorradhotels übernachten. Sie bieten neben Unterstellmöglichkeiten oder Garagen für die Maschinen auch spezielle Trockenräume, Hochdruckreiniger oder gar eine Schrauberecke. 

Die bekannteste Straße ist die 200 Kilometer lange Schwäbische Albstraße.  Ihr folgen Auto- und Motorradfahrer gleichermaßen gerne. Die Strecke führt über die gesamte Alb hinweg von Tuttlingen im Südwesten bis nach Nördlingen im Ries am Nordostende des Mittelgebirges.   Ausgeschildert mit der Silberdistel auf grünem Grund geht es von  Tuttlingen  zum Großen Heuberg. Über Meßstetten, Albstadt und Burladingen kommt man auf die Sonnenalb. Hinter St. Johann  geht es hinab ins Ermstal und weiter nach Bad Urach. Von dort geht es wieder auf die Albhochfläche nach Römerstein und Westerheim. Bergab geht es nach Wiesensteig und dann das Täle entlang vorbei an  Bad Ditzenbach und Bad Überkingen bis nach Geislingen an der Steige. Von dort geht es auf den Albuch zwischen Böhmenkirch und Heidenheim. Kurz hinter der Opernfestspielstadt teilt sich Albstraße in zwei Äste: nach Norden über Oberkochen zum Endpunkt Aalen oder - weiter gen Osten - über das Härtsfeld in die mittelalterliche Riesstadt Nördlingen.

1-2018

 

 

Ordentlich Kohle machen

 

 

Text:  Bernhard Bürkle

Hier draußen im Wald, irgendwo bei Münzdorf nahe Hayingen, im Herzen des Biosphärengebietes Schwäbische Alb, wird alljährlich ordentlich Kohle gemacht – nicht im übertragenen, sondern im rein wörtlichen Sinne. Alle Welt grillt gerne traditionell mit Holzkohle, die man im Bau- oder Supermarkt bekommt, sonntags auch an der Tankstelle. Wo aber dieses rußige Zeug herkommt und wie es gewonnen wird, darüber machen wir uns weit weniger Gedanken als über das, was wir auf den Rost legen und die Beilagen dazu. Dabei hat das Produkt Holzkohle eine lange Geschichte und war von elementarer Bedeutung für die weltweite Industrialisierung – nur damit erreichte man die zur Eisenschmelze erforderlichen Temperaturen.

Rein wirtschaftlich ist die Herstellung von Holzkohle kein nennenswerter Faktor mehr und gilt nach zahlreichen chemischen Prozessen, in denen dem Holz nahezu alle wichtigen Stoffe entzogen wurden, eher als Abfallprodukt mit relativ geringem Heizwert. Anders diese Holzkohle, die hier seit 1860 in traditioneller Weise gewonnen wird:  In Kohlemeilern nämlich, wo jeweils um die 30 Raummeter überwiegend Buchenholz eine gute Woche lang verschwelen, Tag und Nacht sorgsam überwacht von einem Köhler. „Man braucht vor allem viel Erfahrung“, verrät Georg Geiselhart, der seit 1967 in vierter Generation neben seinen Meilern übernachtet. „Du musst immer dabei bleiben und schauen, was die Glut macht. Das sieht man nur an der Farbe und am Druck des Dampfes, der aus den Belüftungslöchern, den sogenannten „Pfeifen“ austritt. Wenn durch Hohlräume zu viel Luft einströmt und er zu brennen anfängt, war alles umsonst.“ Damit ist die mühevolle Arbeit gemeint, die große Menge gespaltenen Holzes funktionell richtig aufzuschichten und sorgsam mit genau definierten Schichten aus Erde, Gras und altem Kohlenstaub abzudecken.

Gut eine Woche nach dem Anzünden strömen die Gäste erneut zur Kohlplatte, wo in dieser Zeit geradezu Festatmosphäre herrscht mit Verköstigung bei geselligem Beisammensein. Auch zahlreiche freiwillige Helfer haben sich in aller Frühe schon eingefunden, denn heute ist der Tag, an dem der Meiler „ausgezogen“ wird. Dann zeigt sich, was sich die letzten Tage und Nächte in seinem Inneren abgespielt hat und ob Georg Geiselhart und sein Nachfolger Frank Heideker gute Arbeit geleistet haben. Mit speziellen Harken wird der Meiler jetzt zum Ernten und Abkühlen auseinander gezogen, und immer stehen dabei Helfer mit Gießkannen bereit, um eventuelle Glutnester schnell zu löschen, bevor sie an der Luft Feuer fangen. Etwa 20 Säcke à 10 Kilogramm lassen sich pro Meiler gewinnen, Holzkohle von bester Qualität mit weit höherem Brennwert als industrielle Produkte. Kein Wunder, dass die meist vorbestellten Säcke schnell vergriffen sind, kaum dass die Kohle erkaltet ist.

Wegen der stetig steigenden Nachfrage haben sich die Münzdorfer Köhler entschlossen, in diesem Jahr noch einmal einen Meiler zu aktivieren – Mitte Oktober soll es noch einmal dampfen (nicht rauchen!) im Wald irgendwo auf der Mittleren Alb.


Info: Wann und wo genau der Meiler dampft, kann man beim Verkehrsamt Hayingen, Telefon (0 73 86) 97 77-23 (www.hayingen.de) erfahren.
2-2016 

 

 

Der letzte Kelte

 

 

Text;:Bernhard Bürkle

Der Albgästeführer Wolf-Dietrich Herder führt Wandergruppen höchst authentisch durch die prähistorische Geschichte der Schwäbischen Alb.  Die Sonne ist noch gar nicht so lange über den Horizont gekrochen, da treffen sich immer mehr Menschen auf einem kleinen Wanderparkplatz irgendwo auf einer Hochfläche nicht weit vom Albtrauf. Es verspricht ein sonnig warmer Tag zu werden, und dennoch hat sich der als „Divico der Tiguriner“ bekannte Biosphären-Wanderführer Wolf-Dietrich Herder in außergewöhnliche, sicher viel zu warme Kleidung gehüllt. Und nicht nur das – der bärtige Hüne trägt einen glänzenden Metallhelm auf dem stark behaarten Kopf und einen langen Speer in der Hand. Wolf-Dietrich Herder stammt von der Zollernalb und lebt seine Passion, er ist gleichsam ein Kelte durch und durch, der letzte seiner Art. Hier oben, auf der Vorderen Alb zwischen Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler, lebten die Kelten einst zahlreich, aber das ist lange her. Vor über zweitausend Jahren, also lange vor Christi Geburt, gab es hier eine bedeutende keltische Ansiedlung. Dieses sogenannte Oppidum war eine stark befestigte Anlage mit zwei Verteidigungsringen, die größtenteils noch heute erhalten und deutlich in der Landschaft sichtbar sind. Mit einer Gesamtfläche von 1662 Hektar stellt dieses Areal namens „Heidengraben“ nicht nur die größte bekannte keltische Befestigungsanlage Deutschlands dar, sondern auch eine der größten in ganz Europa.

Zunächst zeigt Wolf Herder sein authentisches Outfit, das speziell für ihn angefertigt wurde aus Materialien, wie man sie wohl damals schon verarbeitet hat. Mit ein paar zusätzlichen historischen Exponaten wird die Zeit der Kelten regelrecht ‚greifbar‘, die spannende Schilderung damaliger Lebensumstände lässt die rund 20-köpfige Gruppe unruhig werden. Ein kurzer geografischer Überblick noch an einer Schautafel, und dann geht es endlich los auf den Spuren dieser sesshaften, gleichsam aber auch streitbaren Ureinwohner unseres geschichtsträchtigen Mittelgebirges Schwäbische Alb.

An die fünf Kilometer mögen es insgesamt sein, die bei dieser interessanten Exkursion des Albgästeführers Wolf Herder zurückgelegt werden. Es geht zumeist ebenerdig über Wiesen und Felder, aber auch an schattigen Schluchten im Wald entlang. Immer wieder sammelt er die Gruppe an markanten Stellen und hält kurze Vorträge über Besonderheiten im Gelände, bei denen einst gekämpft und gestorben wurde. So wird Geschichte hautnah lebendig, und die Schwäbische Alb als beschauliche Wanderregion offenbart sich aus einem völlig neuen, spannenden Blickwinkel. Gut drei Stunden dauert die Exkursion am Heidengraben, die von Albgästeführer Wolf-Dietrich Herder so kurzweilig gestaltet wird, dass man beinahe das Mittagessen verpasst hätte. Allerdings wird es jetzt auch zunehmend sommerlich warm, und so kommt das Restaurant Burrenhof kurz vor dem Ausgangspunkt der Tour äußerst gelegen. Im Schatten alter Bäume lässt man das Erlebte noch einmal Revue passieren und hat ausgiebig Gelegenheit, sich bei Speis‘ und Trank mit dem „letzten Kelten“ Wolf-Dietrich Herder zu unterhalten – der jetzt erst seinen schweren Keltenhelm abgenommen hat.

Info: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
2-2016

 

 

Kahnfahrt in die Höhle

 

 

Text: Bernhard Bürkle

Hayingen und das Lautertal bieten ein Naturerlebnis. Am südlichen Rand des Biosphärengebietes Schwäbische Alb und inmitten des Geoparks liegt das beschauliche Städtchen Hayingen. Das Tal der Großen Lauter, die hier in die Donau mündet, lockt Touristen aus nah und fern in diese liebenswerte Region voller lebendiger Geschichte und unberührter Natur. 

Bis in die Eiszeit reichen die Spuren der Menschen. Die Urmenschen suchten Schutz in den umgebenden Höhlen, die erste Besiedlung fand nachweislich in der Hallstattzeit um 600 v.Chr. statt, gefolgt von Kelten, Römern, Alemannen und Franken. Die Gründung der Stadt Hayingen  erfolgte vermutlich anno 1247 durch einen Ritter „Swigger von Gundelfingen“, weshalb Hayingen noch heute das Wappen der Gundelfinger führt. „Einst war die Stadt in zwei Hälften geteilt“, erzählt Lothar Bechtle, der im historischen Stadtschloss, einst vom ersten Gundelfinger als Turmburg erbaut, ein Museum eingerichtet hat und an Wochenenden zu interessanten Führungen durch das bemerkenswerte Gebäude einlädt. In dessen Erdgeschoss betreibt der Historiker und Kunstkenner ein kleines Café gemeinsam mit Roger Makowski, der die Gäste so ganz nebenher an einem historischen Flügel musikalisch unterhält, während die weisen „Alb-Gurus“ dort Sprechstunden in ihrer „Praxis für angewandte Lebensfreude“ abhalten. Viele weitere historische Gebäude zieren den Hayinger Stadtkern, vor allem das Rathaus ist beliebtes Fotomotiv für Touristen, die von hier aus per Fahrrad oder auf Schusters Rappen, mit dem Kanu auf der Lauter oder mit Maultieren die traumhaft schöne Umgebung erkunden.

Passend zu entspannenden Urlaubstagen wohnt man hier überwiegend in privaten Gästehäusern oder im „Lauterdörfle“, einer reizvollen kleinen Siedlung mit gemütlichen Blockhäusern mitten im Naturschutzgebiet. Das kulinarische Angebot in und um Hayingen ist voller Geheimtipps, zu typisch schwäbischen Spezialitäten gesellen sich z. B. im „Hirsch“ in Indelhausen fangfrische Lauter-Forellen, außerdem Albschnecken in diversen Varianten, Gerichte vom Alblamm oder vom heimischen Wild, ja sogar Mufflon wird hier angeboten – natürlich je nach Jagdzeit immer nur kurzfristig. Für seine Gänse im November ist der „Adler“ in der Nachbargemeinde Anhausen weithin bekannt, während die „Friedrichshöhle“ in Wimsen zu Gerichten aus biologischem Anbau auf traumhafter Terrasse direkt neben schwimmenden Forellen einlädt. Hier lohnt sich eine kurze Kahnfahrt in die Wimsener Höhle, Deutschlands einzige befahrbare Wasserhöhle übrigens.

Das nahegelegene Schloss Ehrenfels war einst der Sommersitz und die Vorratskammer der Äbte zu Zwiefalten, heute ist das beeindruckende Anwesen als exklusiver Rahmen für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten weithin beliebt. Den Zwiefalter Benediktinermönchen ist übrigens – neben einer der schönsten Klosteranlagen Deutschlands – auch eine Jahrhunderte alte Brauerei zu verdanken, altersmäßig allerdings noch übertroffen von der Berg Brauerei im nahen Ehingen, wo in diesem Sommer 550 Jahre Brautradition gefeiert werden. Doch nicht nur in Sachen Geschichte und Natur, auch kulturell hat Hayingen einiges zu bieten: das Naturtheater lockt in diesem Sommer mit einem brandneuen Programm, dem ersten schwäbischen Spätzles-Western „Im wilden Südwesten“, in der historischen Friedrichsmühle finden Ausstellungen und Konzerte namhafter Künstler statt, und auch das Hayinger Stadtfest – aktuell vom 22. bis 24. Juli – gilt als Festhöhepunkt.

Info: www.wimsener-hoehle.de
1-2016

 

 

Spuren im Wald erzählen spannende Geschichten

 

 

Text: Andrea Maier

Die biologische Vielfalt in unseren Landschaften zu bewahren gelingt nur mit Menschen, die sich aktiv beteiligen. Seit 2008 gibt es das bundesweite Junior-Ranger-Programm, um auch Kinder und Jugendliche für Natur zu begeistern. Die 16-jährige Anke aArnold us Metzingen gehört dazu. Anke kann eine Hütte bauen, in der locker zwei Menschen bei Regen trocken bleiben und zur Not auch schlafen können. Genau ein Streichholz reicht ihr, um ohne Papier oder anderen Schnickschnack ein Feuer zu entfachen. Nein, nicht im Ofen, sondern draußen, an einer Grillstelle in freier Natur. Sie kann Spuren verschiedener Tiere lesen und kennt allerlei Beeren, Blüten, Sträucher und Bäume.

Anke kann vieles, das andere höchstens in Filmen gesehen haben – wenn überhaupt. Sie ist nicht die Heldin eines Computerspiels und auch keine Romanfigur. Anke ist 16, wohnt mit ihren Eltern in Metzingen und geht zur Schule. Nach dem Lernen geht sie reiten oder klettern. Während andere noch Markenklamotten oder virtuellen Helden hinterher jagen, trifft sie sich mit anderen Jungen und Mädchen, um Wacholderheiden frei zu schneiden, Nisträume für Wildbienen und andere Insekten zu bauen, Wildtiere zu beobachten, Brutplätze zu überwachen, aber auch um Infostände vorzubereiten, um Naturschutz auf Messeveranstaltungen, in Schulen, im Internet, für Zeitungen und fürs Fernsehen vorzustellen. Anke ist Junior-Ranger im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Einmal im Jahr macht sie beim bundesweiten Treffen der Junior-Ranger mit, im vergangenen Jahr war sie zum ersten Mal beim internationalen Austausch am Niedersächsischen Wattenmeer dabei. Ankes Eltern unterstützen die vielfältigen Aktivitäten, „weil wir es super finden, dass Anke so viel Interessantes selbst erlebt und entdeckt, anstatt alles nur zu googlen.“Begonnen hat alles mit einer klitzekleinen Fledermaus. Anke war sieben und besuchte das  Schülerferienprogramm. Eine Leiterin brachte verletzte und heimatlose Fledermäuse mit, und wer wollte, durfte die winzigen Tiere sogar anfassen. Anke wollte. Es war null gruselig sondern wunderschön.

Fortan dachte Anke die ganze Zeit darüber nach, wie sie Fledermäuse schützen könnte. Währenddessen nahm sie an drei lustigen Mitmach-Aktionen Teil und bekam ganz mühelos den Junior-Ranger-Kid-Pass in Bronze. Das war's dann erst mal, doch nach einem Jahr besuchte sie jede Menge Kinder-Naturerlebnis-Veranstaltungen auf der Schwäbischen Alb, das war ziemlich spannend und sie holte sich dabei den Silber-Pass. Jetzt war der Junior-Ranger-Kid-Pass in Gold Ehrensache. Als sie zwölf war, kam sie das erste Mal ins Naturschutzzentrum in Schopfloch. Gemeinsam mit anderen untersuchte sie Gewässer, entwarf Waldbilder, baute Hütten, machte Feuer, lernte mit Kompass und Karte umzugehen und beobachtete im Morgengrauen eine Fuchsmutter mit ihren Jungen. Jetzt war sie eine echte Junior-Rangerin, die sich für ökologische Landwirtschaft interessierte und über artgerechte Nutztierhaltung informierte.

Mittlerweile gehört Anke zum festen Team, sie ist Junior-Ranger-aktiv. An manchen Sonn- oder Feiertagen streift sie mit einem der beiden hauptamtlichen Naturschutzwarte des Landkreises Esslingen durch weite Teile des Biosphärengebietes Schwäbischen Alb. Derzeit ist sie mit Martin Gienger unterwegs. Der engagierte Naturschützer wird 'Ranger' genannt, weil er auf einen Bereich des wundervollen Biosphärengebietes Schwäbischen Alb besonders intensiv Acht gibt. Er erläutert den Spaziergängern, Wanderern, Radfahrern, Joggern, Ski-Langläufern, warum es sich lohnt, besonders geschützte Zonen zu respektieren. Er zeigt auf, wie wertvoll beispielsweise das ungestörte Verwildern der Bannwälder für unzählige Lebewesen ist, wie (lebens-)gefährlich frei laufende Hunde oder laut grölende Menschen für Wildtiere sein können.

Der Ranger achtet darauf, dass die Naturschutzregeln eingehalten werden. Anke begleitet ihn gerne „auf Streife“. Sie mag es da draußen, weil sie „richtig tief durchatmen kann“. Sie liebt es, dem Bannwald beim Verwildern zuzuschauen, das Konzert der Vögel in voller Lautstärke zu hören, aus Spuren spannende Geschichten zu lesen und meist hundemüde, aber ziemlich glücklich heim zu kommen. Bleibt da Zeit für Freunde? „Na klar“ lacht sie, „mit anderen Junior-Rangern zusammen macht das alles ja erst richtig Spaß.“ Und die Leute, die sie von den  bundesweiten Treffen kennt, sind Dank WhatsApp manchmal auch fast ganz nah dabei. 

Info: www.juniorranger-alb.de

1-2016

 

 

 

Der Überflieger

 

 

Text: Bernhard Bürkle

Werner Schrägle aus Sonnenbühl ist ein „Älbler“ durch und durch, ein schwäbisches Urgestein mit sonnigem Gemüt, den nichts, aber auch gar nichts aus der Ruhe bringen kann. Doch manchmal geht er regelrecht in die Luft: dann startet er auf dem Hayinger Flugplatz seinen Tragschrauber, nimmt kurz Anlauf und hebt einfach ab, den Wolken entgegen.

Werner Schrägle ist bekannt als der Biosphären-Flieger, und sein Fluggerät ist ebenso einmalig wie er selbst. Der Tragschrauber, fachlich auch Gyrokopter genannt, mutet zunächst wie ein kleiner Hubschrauber an, doch das Prinzip ist hier ein anderes. Der Propeller am Heck des zweisitzigen Vehikels sorgt nämlich nicht nur für den Vortrieb, sondern sein Luftstrom versetzt auch den eigentlichen Rotor in wirkungsvolle Drehung. So hält sich ein Tragschrauber im Prinzip in der Luft wie ein Ahornsamen, der allein durch sein Gewicht in sog. Autorotation versetzt wird – im Grunde eine recht sichere und in Jahrmillionen von der Evolution „entwickeltes“ physikalisches Prinzip.

Und dennoch – ein etwas mulmiges Gefühl können seine Passagiere zunächst nicht verbergen, wenn sie das filigrane Fluggerät zum ersten Mal besteigen. „Das ist wie Motorradfahren in 3 D“, lächelt der Pilot und reicht den Helm mit integriertem Sprechfunk. Bitte anschnallen, entspannen und einfach genießen – wer mit dem Biosphären-Flieger unterwegs ist, bekommt nicht nur einen Erlebnisflug über die schönsten Landschaften der Schwäbischen Alb geboten, sondern ein unvergessliches Abenteuer. „Da sind nach der Landung schon des öfteren Tränen geflossen“, erzählt Werner Schrägle, „dieses einmalige Gefühl, sich so völlig ohne Kabine und Fenster einfach in die Lüfte zu erheben, das ist eben – im Wortsinn – ein erhebendes Gefühl.“ Die Aussicht ist natürlich sensationell, der freie Blick nach unten auf die sich windende Große Lauter, auf die beschaulichen Dörfer, auf Burgen und bunte Felder… „Besonders Menschen mit hoher beruflicher oder privater Belastung empfinden diese totale Befreiung von jeglicher Schwerkraft als emotional höchst bewegende Erfahrung. Im Grunde ist so ein Flug bereits eine Therapie gegen Stress und Burnout.“

Niemand kann einfach wieder aussteigen und gleich nach Hause fahren, zumeist stehen die Passagiere noch lange da und verarbeiten stumm das Erlebte. Und dann kann es passieren, dass der stets sonnige Pilot sie einfach in den Arm nimmt und mal eben kräftig drückt. Denn Werner Schrägle ist unter anderem auch Heiler mit entsprechender Ausbildung, der viele psychische und auch körperliche Probleme moderner Menschen zu behandeln versteht. Apropos Ausbildung: Insgesamt acht (!) Ausbildungen hat der schwäbische Tüftler und Erfinder absolviert. Eine seiner Erfindungen betrifft Menschen mit körperlichen Einschränkungen: Mobility Cube heißt der von ihm entwickelte, selbstbalancierende Rollstuhl, der auf nur einer Achse fährt und daher nahezu uneingeschränkt geländetauglich ist. Aber das ist eine andere Geschichte…

Info: www.biosphaeren-flug.de, www.mobilitycube.de


 

 

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok