23. Januar 2022

Radfahren

Paradies für Mountainbiker

Andreas Raiser in seinem Geschäft "Radlust" in Uhingen. Foto: Andrea Maier

Text: Andrea Maier

Seit Fahrräder einen kleinen batteriebetriebenen Motor haben, der, wenn es bergauf geht, das Treten in die Pedale erleichtert, erlebt das Radeln in Deutschland einen Boom. Wer heute sein Wunsch-Bike kaufen möchte, muss sich bis zur Lieferung gedulden. Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr nach.

Das Outdoor-Erlebnis Radfahren motiviert auch die Touristiker auf der Schwäbischen Alb zu Angeboten, von denen auch die einheimischen Radfreunde profitieren. Der Tourismusverband Schwäbische Alb entwickelt vor allem für Mountain-Biker neue Projekte.

Neben dem jüngst gekürten „Albtäler-Radweg“ sollen weitere Landesradfernwege auf der Schwäbischen Alb entstehen und zusammen ein Netz aus einheitlich beschilderten und qualitativ erstklassigen Fernradwegen über die Alb bilden. Des Weiteren wurde das Netz an E-Bike-Ladestationen in der Region ausgeweitet. Auch ein gemeinsames, albweites Mountainbike-Beschilderungskonzept steht kurz vor seinem Abschluss. 

Auf den Bedarf an spezieller Infrastruktur und eigenen Trails für Mountainbikes reagiert die Region verstärkt mit der Entwicklungen neuer Wege: Im Schönbuch entstehen drei neue Mountainbike-Touren, die „Spitz Tour“ und die „Jäger Spezial Tour“ sind bereits fertig beschildert. Auch in Albstadt, Spaichingen und im Landkreis Göppingen sind neue MTB-Touren und -Trails geplant. Wer auf seinem Mountainbike oder Gravelbike gerne weitere Strecken zurücklegt, ist auf dem Alb-Crossing richtig. Der neue Flow-Park Antoniustal in Sigmaringen komplettiert die neue Angebotspalette. 

Vergnügt radelt Andreas Raiser auf seinem Oldtimer, einem Peugeot Klapprad aus den 70er Jahren, ins Industriegebiet ‚Brühl‘ bei Uhingen, im Landkreis Göppingen. Vor über 20 Jahren wurde aus seiner Leidenschaft für‘s Radfahren Berufung: Der studierte Textildesigner überließ die Gestaltung von Stoffen anderen und arbeitete in seinem damaligen Lieblings-Radladen in Reutlingen. Er lernte viel, wurde in einem Stuttgarter Unternehmen Teilhaber und Geschäftsführer.  Vor sechs Jahren ließ er seinen Traum Wirklichkeit werden - er eröffnete ‚RadLust‘, sein eigenes ‚Fachgeschäft für E-Bikes und E-Mobility‘. 

Mit innovativen E-Bikes, Rädern ohne Motor und gutem Service will er Lust machen auf‘s Radfahren. Ganz gleich ob Senioren, die das Radfahren wieder für sich entdecken, Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitenden ein ‚Job-Rad‘ ermöglichen, umweltbewusste Menschen, die auf‘s Auto verzichten oder sportlich ambitionierte (Renn-)Radlerinnen – Andreas Raiser hat das passende Rad.

In seinem umfangreichen Sortiment bevorzugt er den französischen Hersteller ‚Moustache‘, doch Zubehör findet man bei ihm für alle gängigen Marken. Reifen, Schläuche, Schaltwerke, Umwerfer, Griffe, Sattel, Beleuchtung, Helme und Kleidung – in der großzügigen Halle ist die Auswahl groß. Auch einige Modelle der immer häufiger nachgefragten Lastenräder (Cargo Bikes) findet man bei dem Uhinger Fachhändler, der selbst „am liebsten alles mit dem Rad“ erledigt.

Info www.radlust-gp.de

1-2021

 

 

Zu Römern und Alamannen

Zu Römern und Alamannen führt ein neuer Radrundweg im Ostalbkreis. Der führt rund um Aalen und Ellwangen. Radelt man am Parkplatz Schießwasen in Ellwangen los, führt die Strecke zunächst durch die historische Altstadt von Ellwangen.

Anschließend geht es in die wald- und seenreiche Landschaft des Virngrunds. Entlang der Ellwanger Schlossweiher kommtt man auf die Höhe nach Rattstadt, von wo sich ein Abstecher zur barocken Wallfahrtskirche Schönenberg lohnt. Über kleine Ortschaften erreicht man die Ellwanger Seenlandschaft mit Häsle- und Haselbachsee. Danach geht es hinauf nach Eiberg und über Birkenzell erreicht man das Kastell Halheim. Ein Bronzemodell zeigt, wie das dortige Kleinkastell ausgesehen haben könnte. Auf der weiteren Route passiert man kleine Ortschaften und kommt schließlich nach Wasseralfingen. Dann durchfährt man die Innenstadt von Aalen, wo man das Limesmuseum besuchen kann. Hier macht die Runde kehrt und es geht wieder nach Norden in Richtung Hüttlingen.  Von Hüttlingen geht es auf dem Deutschen-Limes-Radweg weiter nach Rainau-Buch, zum Limespark (Foto: Limestor Dalkingen). Entlang der Jagst radelt man zurück nach Ellwangen, wo sich in unmittelbarer Nähe zum Schießwasen das Alamannenmuseum befindet.  
Info  www.deine-ostalb.de


1-2021

 

 

 

Neue Radbroschüre für die Schwäbische Alb

Die Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb präsentiert pünktlich zum Sommer und gleichzeitig zum Höhenpunkt der Radsaison ihre neu überarbeitete Radbroschüre mit vielen abwechslungsreichen Touren auf der Mittleren Schwäbischen Alb.  Die Broschüre umfasst neben einem großen Serviceteil mit Informationen rund ums Rad auch eine Übersicht an E-Bike-Ladestationen. Das Kernstück der Broschüre sind die insgesamt 19 Radtouren im Bereich der Mittleren Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen. Neu dabei in der aktualisierten Auflage ist die vom ADFC zertifizierte Berg Bier-Tour: eine 115 Kilometer lange und voll ausgeschilderte Zwei-Tages-Rundtour. Egal, ob ein sportliches Radwochenende, eine fröhliche Familientour oder ein informativer Themenweg – für jeden Geschmack findet sich eine passende Route. Darüber hinaus gibt die Broschüre Informationen zu radlerfreundlichen Unterkünften und zu der Anreise mit dem ÖPNV. Die zwölfte Auflage der Radbroschüre ist kostenfrei erhältlich und liegt bei allen Tourist-Informationen in der Region zur Mitnahme aus. Zudem kann die Radbroschüre bei der Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb telefonisch unter 0 71 25 / 150 600 oder online unter www.mythos-alb.de/service kostenlos bestellt sowie in digitaler Form als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Alle Touren sind auch über die Mythos-App abrufbar, die kostenlos im App-Store erhältlich ist.
21.8.20

 

 

 

 

Fahrradfahren als Passion

 

Plattfuß? Solch eine Kleinigkeigt repariert Eberhard Binder im handumdrehen. Foto: Andrea Maier

 

Text: Andrea Maier

 

Blauer Himmel mit kleinen weißen Wolken, darunter blühende Wiesen und im lauen Wind wogendes Getreide. „Besser geht’s nicht“, Eberhard Binder tritt voller Freude in die Pedale. Der 60-Jährige startet am frühen Vormittag zu seiner „Lieblings-Albrunde“, direkt von der Haustüre in Zell u. A. aus radelt er mit seinem schlicht schwarzen Rennrad hinüber nach Aichelberg, immer am Albtrauf entlang. Schon bei Weilheim faszinieren die herrlichen Ausblicke auf die Burg Teck, die Limburg, den Hohenneuffen, weiter geht’s über  Bissingen, Owen, Neuffen, Kohlberg, Glems, Ehnigen unter Achalm, Gomadingen, Marbach, Münsingen, quer über den ehemaligen Truppenübungsplatz - „der allein schon einen Radausflug lohnt“ - Böhringen, Schopfloch, Hepsisau, Weilheim und zurück nach Zell.

Rund 110 Kilometer durch einzigartig vielfältige Landschaft, mit überwältigender Weitsicht, in aller Ruhe - Entspannung pur. „Die Anstiege fahre ich besonders gern“, lächelt der schlanke, durchtrainierte Familienvater, der regelmäßig die 'Alb-Extrem' mitfährt, aber auch bei internationalen Etappenrennen, wie beispielsweise der 'Trans-Alp' mit 18 Alpenpässen, über enorme Distanzen 'rauf und 'runter braust. Über die Schwäbische Alb radelt er das ganze Jahr, das ist für ihn Training und Erholung gleichermaßen. Über kurvenreiche Landstraßen gleitet er dahin und genießt dabei mit allen Sinnen. Ob der Raps knallgelb blüht oder Klatschmohn und Kornblumen zwischen Gerstenfeldern leuchten, Lindenblüten-Duft betört oder ob frisch gedüngt wurde – mit dem Rad, sagt er, sei man immer ganz unmittelbar dabei. Beim Radfahren fühlt sich Eberhard Binder eins mit der Landschaft, mit der Natur. „Das ist unglaublich entspannend“, schwärmt er und genießt ganz besonders die Ruhe auf der Alb. Obgleich er mit dem Rennrad überwiegend auf Straßen und ausgeschilderten Radwegen unterwegs ist, „gibt es immer Routen mit sehr wenig Verkehr.“ Als Genuss beschreibt er auch die körperliche Betätigung – „es entsteht eine tiefe Zufriedenheit.“ Selbstverständlich kennt und fährt der passionierte Rennradfahrer hin und wieder auch Mountainbike. „Der Albtrauf ist wie dafür geschaffen.“


Ein defensiver Fahrstil auf den Wegen, die auch von Wanderern genutzt werden, ist für ihn selbstverständlich. „Ich rufe lieber, als dass ich die Leute mit der Schelle erschrecke“, und für einen kurzen Schwatz bleibt er gerne auch mal stehen. Ein besonderes Radvergnügen erlebte er im vergangenen Jahr gemeinsam mit seiner Frau: Mit Zelt und Gepäck in den Satteltaschen radelten sie 2500 Kilometer bis Portugal. Die Auszeiten mit dem Rad nutzt er intensiv und braucht sie auch, denn seit er 1987 seinen Fahrradfachhandel mit Werkstatt eröffnete, gibt es für ihn und seine Helfer mehr als genug zu tun. Erst kam der Mountainbike-Boom, dann wollten alle multifunktionale Trekking-Räder und jetzt kaufen ihm Jung und Alt die elektrisch unterstützten E-Bikes schneller aus dem Laden, als er neue geliefert bekommt. Eberhard Binder freut das nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen: er ist überzeugt davon
, dass Fahrradfahren gefördert werden muss. „Ganz gleich, ob g'schwind zum Einkaufen, auf längeren Reisetouren oder als sportliche Herausforderung: jeder geradelte Kilometer schont die Umwelt, fördert Gesundheit und Fitness - und macht Freude.“

Info: www.fahrradladen-zell.de