10. August 2020

Hobby

Expeditionen in die Bier-Welt

 

Einmal am Hopfen riechen: Besucher mit Ulrich Kumpf (l.) auf dem Hopfengut in Tettnang. Foto: Günter Hofer

 

Text: Günter Hofer

Bei einer besonderen Stadtführung in seiner Heimatstadt Geislingen, am Mikrofon als Reiseleiter bei einer Bierreise oder als Moderator beim „Bierculinarium“: Mit Bier kennt sich der 65-jährige Ulrich Kumpf aus. War er doch viele Jahre Mitgeschäftsführer der Geislinger „Kaiser Brauerei“. Schon in seinem aktiven Berufsleben hat sich der Brauer in seiner knapp bemessenen Freizeit  mit der Braukunst und Biertradition beschäftigt. Heute bringt Ulrich Kumpf gerne sein erarbeitetes und gesammeltes Wissen zum Thema Bier, bei  touristischen Veranstaltungen an den Gast.

Bei seiner Stadtführung durch das fast 30 000 Einwohner zählende Geislingen an der Steige (Landkreis Göppingen) tritt Kumpf im typischen Outfit Lederschurz und Bierkutschermütze auf. Unter der Überschrift „Von Brauern und Wirten“ bringt Kumpf den Besuchern die Stadt näher. Er berichtet über die Industrialisierung und über die einst 23 Brauer in der Stadt. Die Geschichte Geislingens ist geprägt von der Brautradition. Schließlich wurde hier  in früherer Zeit pro Einwohner mehr Bier gebraut als in München.

Als Bierbotschafter kennt Ulrich Kumpf, Brauer-Geschichten aus dem Südwesten von Deutschland. Seine individuell geplanten Busreisen gehen meist durch Schwaben, Bayern und Franken. In der Regel beinhalten die Tagesreisen für Gruppen einen historischen oder technischen Teil und einen genussvollen Teil am Nachmittag. So könnte es zum Beispiel nach Ingolstadt ins Audi-Museum gehen und am Nachmittag zur Bierprobe in die Brauerei Kuchelbauer. Eine andere  gut angenommene Tour führt nach Tettnang zum  Schloss aus dem Jahre 1728. Wenn der Hunger nach geschichtlichem Wissen gestillt ist, geht es in „Hopfengut Nr.20“. Das in Tettnang gelegene Hopfengut vereint Hopfenanbau, Brauerei, Museum, Laden und Gaststätte.

Bei „Ulis Bierculinarium“ entdeckt der Gast  Biergenuss, wie er ihn sicherlich noch nicht erlebt hat. Mit dem Bierbotschafter geht es quer durchs Ländle, durch Deutschland, Europa oder die ganze Welt – ohne zu reisen. An sechs Orten wird Rast gemacht und neben sechs unterschiedlichen Bieren wird regionaltypischer Fingerfood gereicht. So startet zum Beispiel die Bierreise von Nord nach Süd mit einer „Berliner Weise“ in Berlin und führt weiter mit „Kehrwieder Prototyp“ nach Hamburg, nach Franken zu einem Schluck „Glocken Hell“ und zu einem „Weltenburger Kloster Dunkel“ nach Bayern.  Dass dazu passende Fingerfood  können fränkische Würstel im Krautwickel sein, schwäbischer Zwiebelkuchen oder Heringssalat mit roter Bete.

www.bierexpedition.de

1-2020

 

 

„Hornissen sind die Greifvögel unter den Insekten“

 

Robert Ripberger aus Lorch (kleines Foto) kennt sich mit Hornissen aus: Fotos: Shuttterstock / Landratsamt Ostalbkreis

 

Robert Ripberger ist im Ostalbkreis seit über 30 Jahren ehrenamtlich mit viel Engagement und Herzblut als Hornissenberater tätig. Von Landrat Klaus Pavel wurde er für seine Tätigkeit „als Stütze für den Artenschutz“ geehrt. Andrea Maier sprach mit ihm.

Herr Ripberger, wie kommt es zu Ihrer Begeisterung ausgerechnet für Hornissen?

Ripberger: Ich interessiere mich schon immer für alles, was kreucht und fleucht. In meiner Dienstzeit bei der Polizei habe ich immer wieder erlebt, wie viele Hornissennester auch von den Kollegen der Feuerwehren im guten Glauben daran zerstört wurden, dass Hornissenstiche lebensbedrohlich sind. Da kamen mein Bezug zum Tier und mein Wissen um rechtliche Grundlagen zusammen und ich konnte dafür eintreten, dass Hornissen geschützt und nicht ausgerottet werden.

Drei Stiche sollen sogar ein Pferd töten …

Ripberger: Eben nicht. Das Gift der Hornisse ist zehnmal weniger toxisch als das der Biene. Für einen gesunden Menschen bräuchte es einige Hundert Stiche von Hornissen. Anders verhält es sich bei Menschen, die an einer Allergie gegen das Gift leiden. Da reicht schon ein Stich von Biene, Wespe oder Hornisse. Auch nicht zu vernachlässigen sind Infektionen, die auftreten können, wenn man das Tier auf der Haut erschlägt und feste reibt, damit es nicht juckt. So können Bakterien in die Haut kommen, die unter Umständen Infektionen hervorrufen. Das Gift selbst wirkt eher entzündungshemmend.

Stimmt es, dass die Hornisse zur Familie der Wespen gehört?

Ripberger: Ja. Die Hornisse ist die größte Art der staatenbildenden Faltenwespen. Man kann sie gut an ihrer eindrucksvollen Größe erkennen. Sie ist wenigstens doppelt so groß, wie die meisten anderen Wespenarten. Ihr leuchtend schwarz-gelb gezeichneter Hinterleib und das braune Bruststück sehen ähnlich wie bei anderen Arten aus.

Warum stehen Hornissen unter strengem Schutz?

Ripberger: Sie dienen, wie jedes Tier, der Regulierung. Hornissen gelten als die Greifvögel unter den Insekten. Sie vertilgen große Mengen von Insekten, auch die uns unliebsamen Wespen und Stechmücken. Da es immer weniger Baumhöhlen und andere natürliche Nestplätze für die Hornissenvölker gibt, suchen sie sich schon mal einen Rolladenkasten oder einen Schuppen als Quartier. Dort hinein bauen sie aus den Fasern morschen Holzes ein bis zu 50 Zentimeter hohes Nest mit einem Durchmesser bis zu 30 Zentimetern. Das ist recht eindrucksvoll und sehr filigran aus einem papierähnlichen Stoff gefertigt, ist es eher braun, nicht so grau, wie das der Wespen. Das bedeutet auch, dass sie eben nicht Nutzholz aus Fassaden, Möbeln oder Dachbalken nehmen, sie verarbeiten wirklich nur morsches Holz.

Was wünschen Sie den Hornissen?

Ripberger: Ich wünsche ihnen mehr Verständnis von uns Menschen. Sie sollen überleben, wie hoffentlich viele andere Arten auch. Es hat doch jedes Lebewesen seine Daseinsberechtigung. Wir Menschen sollten uns nicht anmaßen zu entscheiden, wer leben darf und wer nicht. Oft genug ordnen wir Lebewesen in 'nützlich' und 'unnütz', dabei wissen wir längst nicht alles über die Wirkung, die jedes Tier und jede Pflanze im Gesamten hat. Lassen Sie die Hornissen also ruhig auch in Ihrem Garten oder Schuppen  sein - Sie werden viele interessante Einsichten über diese bemerkenswerten Tiere erhalten.
1-2020

 

 

 

Drachenpapa überzeugt die Jury 

 

Ein Familienspiel: "Funkelschatz" von Lena und Günter Burkhardt aus Bad Ditzenbach. Foto: Verlag Haba

 

Lena und Günter Burkhardt aus Bad Ditzenbach (Kreis Göppingen) haben mit „Funkelschatz“ die Auszeichnung zum Kinderspiel des Jahres gewonnen.  Zufällig stoßen die Drachenkinder auf einen Schatz voller bunter Funkelsteine. Allerdings stecken diese eingefroren in einer dicken Säule aus Eis. Zum Glück bringt Papa-Drache die Säule mit seinem Feueratem zum Schmelzen und die Kinder können die funkelnden Steine einsammeln. Dazu stapeln die Spieler auf dem Spielbrett neun Plastikringe zu einer Säule und füllen diese bis zum Rand mit bunten Funkelsteinen. Zu Beginn jeder Runden wählt jeder ein farbiges Funkelplättchen. Vorsichtig entfernt nun der Startspieler den obersten Ring, und alle kassieren die runtergepurzelten Steine ihrer Farbe. Ist der letzte Eisring vom Spielbrett genommen, endet dieses ungewöhnliche Sammelspiel, und es gewinnt, wer mit Fingerspitzengefühl, ein wenig Taktik und Glück die meisten Funkelsteine einsammeln konnte. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass dieser Drachenpapa lässt nicht nur Eis, sondern auch Kinderherzen schmelzen lässt. „Hier fiebert die ganze Familie gerne mit. Ein Tochter-Vater-Gespann, die Autoren Lena und Günter Burkhardt, verbindet eine kindgerechte Geschichte, einen klassischen Mechanismus und faszinierendes Material zu einem Spieleabenteuer, das Kinder immer wieder fesselt. Beim Einschätzen und Sammeln sind ein kühler Kopf, ein Quäntchen Glück und Fingerspitzengefühl gefragt. (Drachen-)Papa ist der Beste.“ Funkelschatz ist ein taktisches Sammelspiel für zwei bis vier Spieler ab fünf5 Jahren  und ist im Verlag Haba (Bad Rodach) erschienen.
2-2018

 

 

Mit dem Oldtimer-Cabrio über die Alb

 

 

Herbert Gollhofer unternimmt mit seinem Austin Healey Sprite MK I Touren über die Schwäbische Alb. Foto: Andrea Maier

 

 

Text: Andrea Maier

 

Die Sonne strahlt zwischen weißen Wolken am blauen Himmel. „Kaiserwetter für eine kleine Ausfahrt.“ Herbert Gollhofer knöpft das Verdeck auf, schiebt es in den kleinen Stauraum, in dem hinter den zwei schlanken Sitzen höchstens zwei schmale Taschen Platz finden. Am frühen Morgen ist es noch kühl, er zieht seine uralte braune Lederjacke über, öffnet über einen kleinen Hebel an der Innenseite die Fahrertür, klemmt sich hinter das winzige Lenkrad und zieht an dem schwarzen Knopf S. Der Motor startet, brummt und gluckst gutgelaunt - dann rollt der Austin Healey Sprite MK I auf die Straße. Das schöne Auto in bezauberndem Schlüsselblumengelb wird in Kennerkreisen liebevoll 'Froschauge' genannt. Betrachtet man die freundlich geschwungene Form mit den hervorstehenden Lampen, erklärt sich der Kosename selbst. Vom Remstal aus, wo Herbert Gollhofer und seine Frau wohnen, lenkt er sein derzeitiges Lieblings-Cabriolet durch den Schwäbischen Wald Richtung Ostalb. Dort unterhält die Familie ein Wochenendhäuschen als häufig besuchten Rückzugsort. Herbert Gollhofer liebt die Fahrten über die Schwäbische Alb ganz besonders. In dem ziemlich kleinen Froschauge sitzt er fast auf der Straße, die Räder der modernen Monsterautomobile rasen fast auf Augenhöhe an ihm vorbei. Gurte gibt’s in seinem Oldtimer keine und eine 'Knautschzone' nur mit viel Fantasie. „Auf der Alb ist wenig Verkehr, da fährt es sich entspannt.“ Bis an die 100 Km/h brummelt der Kleine mit 64 PS friedlich dahin, „Wohlfühlgeschwindigkeit“ nennt Gollhofer das und genießt den Fahrtwind, der über die winzige Frontscheibe streicht. Ganz deutlich spürt er Temperaturunterschiede, nimmt unterschiedliche Düfte und Farben wahr, ist ganz unmittelbar draußen - „Da fährst du nicht nur mit dem Fuß.“ Deshalb kommen für den passionierten 'Autoschrauber' ausschließlich Cabriolets infrage, insbesondere englische Modelle haben es ihm angetan. Als junger Buchdrucker-Lehrling kaufte er mangels Reichtum alte, kaputte Autos, reparierte und fuhr sie. Seit er Ende der 60er Jahre auf diese Weise an das mittlerweile legendäre Cabrio Triumph TR4 gekommen war, gibt es kein Zurück: „Nur noch Cabrio.“

„Schon immer“, aber seit der Rente oft auch ganztags schraubt, schmirgelt, schweißt, lackiert und poliert der 66-Jährige in einer kleinen Werkstatt, die er sich auf dem Schurwald eingerichtet hat. Mit Blick auf die Alb restauriert er hingebungsvoll die „Ruinen“, wie er die oft seltenen und immer außergewöhnlichen Oldtimer-Cabrios nennt, die er über die Landesgrenzen hinweg aufstöbert. Derzeit renoviert er einen völlig herunter gekommenen Lotus Elan. Das Fahrwerk hat er bereits komplett neu gebaut. Seit über einem Jahr schleift er 16 Farbschichten herunter und baut die Karosserie mit Glasfasergewebe wieder auf. „Ein Granateng'schäft“ murmelt er lächelnd und streicht zärtlich über sein Werk. „Das wird mein Rentner-Auto“. Bis es soweit ist, freut ihn in seinem 'Frosch' „der brummende Motor, das singende Getriebe, die jaulende Hinterachse und vor allem die Windgeräusche“. Den Genuss perfekt machen die wunderschönen Ausblicke am gesamten Albtrauf, das kurvige Rauf-und-Runter über einsame Sträßchen, oder die sanft geschwungenen Straßen, die Flüssen folgen, beispielsweise der schönen Lauter entlang. Wenn es kühl wird, dreht Herbert Gollhofer den Knopf H(eating), dann pustet das klitzekleine Gebläse eifrig warme Luft an seine Beine und er kann noch ein Weilchen länger 'oben ohne' über die Alb brausen.
2-2016