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Kultur

Das Bauhaus prägt die Pausa

Text: Andrea Maier

Am Fuße der Zollernalb, im Blumenstädtchen Mössingen, steht ein beeindruckendes Industriedenkmal, die ehemalige Textildruckerei Pausa. Während weltweit 100 Jahre Bauhaus zelebriert werden, blicken Sachverständige und Interessierte auch aufmerksam auf das Pausa-Quartier. Die 1951 bis1961 vom Architekten Manfred Lehmbruck erbauten Gebäuden zeugen von der Ideenkraft des „Neuen Bauens“. Die einst weltbekannte Textildruckfirma arbeitete mit namhaften Künstlerinnen des Bauhauses und renommierten Designern wie Willi Baumeister, HAP Grieshaber, Leo Wollner, Walter Matysiak, Andreas Felger und Anton Stankowski zusammen. Nicht nur in der Architektur der Werksgebäude, auch und vor allem in den Dessins der Stoffe sind die Schöpfungen etlicher Bauhaus- und Werkbund-Künstler sichtbar, spürbar, erlebbar. Die Ursprünge der Pausa-Textildruckerei gehen auf die 1871 in Mössingen gegründete Buntweberei Hummel zurück. Als die Brüder Felix und Artur Löwenstein den Betrieb 1919 kauften und ihn nach ihrem ersten Firmenstandort Pausa im Vogtland benannten, begann man schon bald mit dem Textildruck. Die kulturinteressierten Löwenstein-Brüder lebten in Stuttgart und waren begeistert von den Ideen des Werkbundes und des Bauhauses. Während der NS-Diktatur wurden die jüdischen Eigentümerfamilien gezwungen, ihren Betrieb weit unter Wert zu verkaufen und zu emigrieren. Käufer war die Firmengruppe Burkhardt-Greiner. 

Dem neuen künstlerischen Leiter, Willy Häussler, gelang es nach dem Krieg die Erfolgsgeschichte der Pausa weiterzuschreiben. Das Unternehmen expandierte. Die neuen Gebäude, vom Werkbund-Schüler Lehmbruck entworfen, boten funktionale, helle, gut durchlüftete Arbeitsräume. Die architektonischen und inhaltlichen (Frei-)Räume unter Willy Häussler lockten renommierte Künstlerinnen und Designer zur gestalterischen Mitarbeit für die Produktion hochwertiger Dekorations- und Bekleidungsstoffen. 2001 musste Pausa Insolvenz anmelden und 2004 die Produktion einstellen. Teile des bemerkenswerten Gebäudeensembles wurden einige Jahre später von der Stadt Mössingen aufgekauft und 2005 unter Denkmalschutz gestellt. In der Tonnenhalle, dem ehemaligen Druckereigebäude, befinden sich heute die städtische Bibliothek, Büros des Regionalverbandes Neckar-Alb, die Sozialstation der Diakonie und ein Raum für Wechselausstellungen zum Thema Pausa. Seit 2015 wurden bereits mehr als 86000 unterschiedliche Dessins,13500 Entwürfe und 735 Musterbücher inventarisiert - „das ist längst nicht alles“, erklärt die Leiterin der Museen und des Archivs, Franziska Blum, „nach der jetzt anstehenden großen Ausstellung sichten und sortieren wir diese zurückgebliebenen so reichhaltigen Schätze weiter.“ 

Info Pausa-Quartier, Löwensteinplatz 1, 72116 Mössingen. Die Ausstellung „Pausa. Jede Menge Stoff drin“ ist bis 24. November 2019 zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag 14 bis 18 Uhr. 

 

 

 

 

Schwabenrocker von der Alb

  

  

Text: Rüdiger Gramsch

 

Mit Schlager und volkstümlicher Musik hatten die Musiker um den Älbler Roger Dorn aus St. Johann (Kreis Reutlingen) nichts am Hut, als sie sich vor gut vier Jahren zusammentaten, um fetzige Country- und Rockmusik zu machen und diese in schwäbischer Mundart zu interpretieren. Doch ausgerechnet ein Schlager ist es, mit dem die „Alb-Dudler“ in  diesem Jahr Erfolge feiern. „Es ist ein Liebeslied, eine richtige Schnulze“, so Roger Dorn, der das Lied komponiert und getextet hatte. „Ich wollte das eigentlich den Amigos vermachen, doch dann hat uns das Lied so gut gefallen, dass wir es selber gesungen haben. „Ich stehe auch dazu“, so Roger Dorn. Zu Recht, es wurde der bislang größte Erfolg des Quintetts.

„Solang dein Herz schlägt“, so heißt der volkstümlich angehauchte Schlager, mit dem die „Alb-Dudler“ 2017 an der „Goldenen Alpenkrone“, dem internationalen Volksmusikwettbewerb im bayerischen Ainring teilnahmen. Die von Stefan Mross moderierte Konkurrenz beendeten die Schwaben mit dem vierten Platz. Auch wenn für die Band die Teilnahme zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde – „wir haben da viele Musikerkollegen kennen und schätzen gelernt“, so Roger Dorn -  machte sich zunächst auch Ernüchterung breit. „Wir standen nicht auf dem Treppchen“, resümierte der Gitarrist, Sänger und Motor der „Alb-Dudler“. Doch nach dem Auftritt in Bayern und der damit verbundenen Berichterstattung tat sich unglaublich viel und schlussendlich landete der Titel im Programm von SWR4 in der volkstümlichen Hitparade. Dort belegte er auf  Anhieb den zweiten Platz, wenige zehntel Prozent hinter dem Sieger. Am Ende war Roger Dorns Schnulze viermal auf Spitzenplätzen dabei.

„Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet“, so Roger Dorn, der bei alle Liebe zu Oldies und Rockmusik den Schlager künftig mehr pflegen möchte. „Schlager liegen uns, Schlager im Stile von Wolfgang Petry, also mit viel Gitarre“. „Du bist schöner als Mona Lisa“ ist der neue Titel aus Dorns Feder, der an den Erfolg von „Solang dein herz schlägt“ anknüpfen soll. Beim nächsten internationalen Schlagerwettbewerb um die „Stauferkrone“ wollen die „Alb-Dudler“ auf jeden Fall mitmachen. „Der Wettbewerb ist ein Sprungbrett, das heute sonst nirgendwo mehr geboten wird“, weiß Dorn, der im Hauptberuf Zahntechnikermeister ist. Zur Band gehört auch Dorns Frau Karin. „Sie ist das Fundament unserer Gruppe“,  lobt ihr Mann und weiß wovon er spricht. Karin Dorn ist studierte Musikerin und leitet in St. Johann die örtliche Musikschule. Bei den §“Alb-Dudlern“ steht sie am Keyboard.  Zur Band gehören auch der Instrumentenbauer Joe (Joachim) Wirschning am Schlagzeug. Hans Sauer und Peter Rüdenauer (Gitarre und Bass) sind bereits Rentner, doch wenn sie Musik machen können, merkt man ihnen das Alter nicht an.

Trotz der Ausflüge in die Schlagerwelt  wollen  die „Alb-Dudler“ ihrem ursprünglichen Musikstil treu bleiben.  Mit selbstkomponierter Country- und Rockmusik mit Texten in schwäbischer Mundart. 2017 hat die Band im „Albstadl“ in Engstingen ihre erste CDU vorgestellt. „So isch’s Leba“ enthält zwölf Songs – mal bluesig, mal rockig und mal schmusig . Auch etwas zum Nachdenken“, beschreibt Roger Dorn die auf die CD gebrannten Titel. Die Ideen zu den Texten kommen Dorn beim Reiten oder Fahrradfahren oder er schnappt einen Satzfetzen in Gesprächen auf. Dann baut er um die Grundidee die Geschichte.

Die Resonanz der vielen „Alb-Dudler“-Fans auf die erste CD war überaus positiv und ermuntert zu einer weiteren Veröffentlichung. „Die kommt frühestens im Januar auf den Markt“, so Roger Dorn, von dem wieder die meisten Titel stammen werden. Gerne erinnert sich das Multi-Talent an die Anfänge der Band im Jahr 2014 zurück. „Ich wollte endlich eine feste Band haben“, so Dorn, der schon seit vielen Jahren musikalisch unterwegs ist. Für seine Auftritte, zum Beispiel beim SWR-Wettbewerb „Närrischer Ohrwurm“, musste  er sich stets seine Band zusammen. Das war ich Leid, ich wollte auch einen musikalischen Stil entwickeln“. So suchte er sich die Musiker für seine Band zusammen und ging da auch über die Schwäbische Alb hinaus. „Wir haben auch einen Schwarzwälder dabei“, verrät Dorn und stellt zufrieden fest, dass sich das Quintett nicht nur musikalisch bestens versteht, sondern auch menschlich. Die Idee zum Bandnamen „Alb-Dudler“ hatte übrigens Peter Rüdenauer auf der Heimfahrt vom ersten Treffen. „Ich hatte am Telefon erst Alm-Dudler verstanden und ihm gesagt, dass es diesen Namen schon gäbe. Das sei eine österreichische Kräuterlimonade. Erst beim zweiten Mal habe ich das richtig verstanden und fand den Namen gut“.

„Wir sind eine schwäbische Band“, beteuert Roger Dorn, auf dessen T-Shirt der Spruch „I ben groß  -dank Spätzle und Soß‘“ steht. Das soll so bleiben, verspricht der Motor der Band, verschweigt aber nicht, dass sein größter Wunsch ein Auftritt in der ARD-Show „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross ist.

www.alb-dudler.de
2-2018

 

 

Aus dem Leben gegriffen

 

 

 

 

Text: Andrea Maier

 

„D'r Hannes soll 'rei komma!“ Wenn der Bürgermeister einer kleinen schwäbischen Gemeinde nach seinem Amtsboten brüllt, braust erster Jubel durch die voll besetzten Publikumsreihen. Alle wissen, was jetzt kommt, deshalb sind sie schließlich hier. Das Schlitzohr Hannes und der Bürgermeister versuchen Probleme zu lösen, Alltagssituationen in den Griff zu bekommen, in astreinem Schwäbisch – und, ganz ehrlich: sie schonen sich dabei gegenseitig nicht. Die Episoden von 'Hannes und der Bürgermeister' sind der absolute Renner des Volkstheaters, der „Komede-Scheur“, in der Mäulesmühle – und Monate im Voraus ausverkauft.

 

Die Szenen aus einem erfundenen und dabei erstaunlich realitätsnahen Rathaus hatte der Volksschauspieler Otto Braig für zwei bunte Programme geschrieben, für 'Kraut & Rüben' und 'Kartoffelschnitz & Spätzla'. Das war bereits 1968 -  Jawohl, vor genau 50 Jahren. Otto Braig schrieb und spielte leidenschaftlich gerne Mundart-Theater und gründete 1970 die Komede-Scheur bei der Mäulesmühle. „Davor spielte er mit seiner Truppe in der Burkhardtsmühle“, erzählt sein Sohn Albin, der das komödiantische Schauspiel in Mundart seine gesamte Kindheit und Jugend lang „hautnah, tagein, tagaus“ miterlebte. Als theaterbegeisterter Jugendlicher bevorzugte er jedoch „mit Freunden Stücke von Brecht und Wilder zu spielen“ und lernte das Handwerk des Schriftsetzers. „Es dauerte nicht lange, da wurde mir klar, dass auch Volkstheater was G'scheites sein kann - wenn man die Stücke selbst schreibt." Das tut er seither in zweimal zwei Wochen Urlaub pro Jahr. „Am Schreibtisch in den schönsten Urlaubsregionen." Und weil die Nachfrage ungebremst ist, beschäftigt der Unternehmer, Autor, Regisseur und Schauspieler neben vielen anderen Mitschaffenden auch Co-Autoren, sprich Ideen-Zulieferer. „Langweilig wird das nie“, ruft er beinahe empört auf die Nachfrage. „Alles, was wir machen, hat mit dem Leben zu tun – wie soll das langweilig sein!“ Und was kommt beim Publikum am besten an? „Na eben alles, was im echten Leben passiert, das machen wir – Nein! Darüber erzählen wir. Das eigentliche Geschehen findet in den Köpfen der Zuschauer statt.“ Das Rezept funktioniert seit Jahrzehnten hervorragend. Als Otto Braig 1997 starb, übernahm der Albin die Regie und führt seither das Unternehmen. Zu den immer neuen Folgen von 'Hannes und der Bürgermeister' entstehen unterschiedliche abendfüllende Programme und alle paar Jahre ein Theaterstück für das Ensemble der Mäulesmühle. Diesem gehört auch Albins Sohn Bastian Braig an, der mit seiner Film- und Fernsehfirma neben der Kultserie um Hannes und den Bürgermeister auch die Fernsehsendung "Freunde in der Mäulesmühle" sowie die Theaterstücke produziert. „Das würde den Otto, meinen Vater, schon freuen, wenn er erleben würde, wie wir alle daran mit schaffen, dass es weiter geht.“

 

Das legendäre Duo Albin Braig (Hannes) und Karlheinz Hartmann (Bürgermeister) kennen sich seit der Schulzeit in Weilimdorf. Die beiden Freunde gründeten 1971 in Stuttgart die Karlheinz Hartmann Electronic GmbH für Anlagen der Telekommunikation, später zur Leiterplattenfertigung. Anfang der 1990er Jahre zogen sich beide aus der Geschäftsleitung zurück und machten das Schauspiel-Hobby zum Beruf. "Spaß ist eine ernste Sache, Talent alleine reicht nicht. Da steckt harte Arbeit dahinter", sagt Albin Braig ganz ohne das schlitzohrige Hannes-Grinsen.

Das erfolgreichste Projekt der Hartmann-Braig'schen Zusammenarbeit war, ist und bleibt 'Hannes und der Bürgermeister', vom genialen Duo 1985 uraufgeführt. Seit 1994 werden die Szenen regelmäßig vom Südwestrundfunk ausgestrahlt. Die Aufzeichnungen finden in der Stadthalle Leonberg vor Publikum statt.

Seit Beginn der Fernsehaufzeichnung ist auch Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle als urschwäbische Band mit dabei. Die unbeschreiblich kreativen Mundartmusiker gestalten die Pausen und begleiten 'Hannes und den Bürgermeister' auch auf ihren Touren durch das ganze Land.

 

Info www.maeulesmuehle.de
1-2018
 

 

 

 

„Das ist einer von den ganz Gescheiten…“ 

Text: Thomas Kießling

Pfarrstraße 11, inmitten von Göppingen. Hier war sie also, die sagenumwobene Lateinschule, in die der spätere Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse ging. Heute ist sie nach kurzer Unterbrechung  ein schönes Bistro, sinnigerweise mit dem Namen „Latinum Bottega“.  In dem Gebäude bereitete sich Hesse damals auf das Landexamen vor, eine Prüfung für die landesbesten Schüler, die dann auf Staatskosten ins Kloster Maulbronn für den späteren Staats- oder Kirchendienst gehen konnten. Diese Zeit rund um das Examen und einen späteren Kuraufenthalt in Bad Boll hat Hesse in zahlreichen Werken verarbeitet. Kultur als bestes Standortmarketing.

„Was halten Sie von Giebenrath; er wird doch durchkommen?“, sagte der Klassenlehrer einmal zum Rektor. „Er wird, er wird“, jauchzte der Rektor. „Das ist einer von den ganz Gescheiten; sehen Sie ihn nur an, er sieht ja direkt vergeistigt aus.“ Das liest man in der Erzählung „Unterm Rad“ (Schullektüre Gymnasium Ba-Wü, 9. Klasse), in der Hermann Hesse seine Calwer Jugend und Teile seiner Erlebnisse rund um die Lateinschule Göppingen und schließlich der Klosterakademie Maulbronn verarbeitet hat – wie auch in der Erzählung „Der Lateinschüler“ und später im Roman „Glasperlenspiel“, für den Hermann Hesse 1946 den Goethe-Preis und schließlich den Literatur-Nobelpreis erhielt. Man wollte mit letzterem in der Königlich Schwedischen Akademie offenbar ein Zeichen setzen. Von deutschem Boden gingen die sechs Jahre zuvor nicht nur die schrecklichsten Ereignisse aus, sondern weit davor auch viel Kultur im Volk der Dichter und Denker.

Hesse verlebt zunächst glückliche Zeiten in Göppingen. Im Februar 1890 kommt der zwölfjährige Hermann zur Vorbereitung auf das Landexamen in Stuttgart nach Göppingen in die dortige Lateinschule des Rektors Otto Bauer (1830-1899). „Ich habe mit der Schule im allgemeinen nicht viel Glück gehabt, aber die einstige Göppinger Lateinschule ist mir durch einen originellen … Lehrer in genauer und teurer Erinnerung geblieben. (Ohne ihn) … hätte meine Phantasie keinen Anlass gehabt, sich mit der Konzeption einer Idealschule zu beschäftigen, wie ich sie dann … im Glasperlenspiel beschrieben habe.“ Hermann Hesse schafft es schließlich auf die Landesakademie, aber dann geht es wie „Unterm Rad“ beschrieben wird, mit ihm, mit Hans Giebenrath, dahin, zerrieben von Pietismus, Pubertät, Lehrerehrgeiz, übermäßige Strenge der Obrigkeit und übertriebenem Ehrgeiz des Vaters. Er entwich aus dem Seminar, weil er „entweder Dichter oder gar nichts“ werden wollte und wurde erst einen Tag später auf freiem Feld wieder aufgegriffen. 

Nach dem siebenmonatigen Aufenthalt im Klosterseminar (1892) bringen ihn seine Eltern wieder in den Kreis Göppingen, in die Kur-Anstalt von Bad Boll, herrlich gelegen am Albtrauf. Sie erhoffen sich von Christoph Blumhardt (1842-1919), dem berühmten Leiter des religiösen Erweckungs- und Heilungszentrums, Hilfe und das Herausfinden des „eigentlichen Grundes seiner Missbildung“, das heißt, seines eigensinnigen Verhaltens, das ihn zur Flucht aus dem Seminar in Maulbronn bewogen hatte. Ein missglückter Selbstmordversuch des 14-jährigen setzt aber schon nach 14 Tagen dem Aufenthalt in Bad Boll ein rasches Ende und Hermann Hesse wird in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten im Remstal untergebracht. Hesse hat seine Auflehnung gegen alle Autoritäten und schließlich den Aufenthalt in Bad Boll in der Novelle „Heumond“ literarisch verewigt (unter anderem im Blumhardt-Schauraum in der Villa Vopelius der Evangelische Akademie Bad Boll zu sehen).  

Der weitere Lebenslauf von Hermann Hesse verläuft schließlich erfolgreich, und wie.  Er schließt eine Buchhändlerlehre in Tübingen ab, nachdem er die erste noch abgebrochen hatte. Dazwischen erscheinen bald erste Werke von ihm. Der Autor von „Demian“, „Siddhartha“,  „Steppenwolf“ und „Narziss und Goldmund“ und als Krönung „Gasperlenspiel“, an dem Hesse übrigens von 1932 bis 1942 zehn Jahre lang gearbeitet hatte und das ein Jahr später erscheinen wird, gilt als einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten: mit rund 150 Millionen verkauften Büchern, die in unzählige Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt verbreitet sind. Und viele Grundlagen dazu hat Hesse in Göppingen und in Bad Boll mitbekommen.   

Info: Hermann Hesse, geboren am 2. Juli 1877 in Calw, Königreich Württemberg, gestorben am 9. August 1962 in Montagnola, Kanton Tessin, Schweiz, als Sohn eines deutsch-baltischen Missionars, war durch Geburt russischer Staatsangehöriger. Von 1883 bis 1890 und erneut ab 1924 war er Schweizer Staatsbürger, dazwischen besaß er das württembergische Staatsbürgerrecht.

 

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
 

Hermann Hesse schrieb das Gedicht am 4. Mai 1941 nach langer Krankheit

 

 

Zwischen Schauspiel und Schlager 

 

 

Text: Rüdiger Gramsch

Bianca Spiegel ist eine vielseitige Künstlerin. Die Stuttgarterin spielt Theater, singt in Musicals, spielt in Filmen und profiliert sich als Sprecherin. Zudem macht sie als Schlagersängerin Karriere. 2015 gewann sie mit „Cherchez la femme“, einem Titel aus der Feder der Komponistenlegende Christian Bruhn, den Internationalen Schlagerwettbewerb „Stauferkrone“ in Göppingen, vor wenigen Wochen stellte sie mit „Ja, ich will“, ihr neuestes Lied vor. Am 10. August 2018 war Bianca Spiegel Gast  in der Sendung „Kaffee oder Tee?“ im Südwestfernsehen.Mit der Musik kam Bianca Spiegel bei der musikalischen Früherziehung in Berührung. Sie lernte Flöte spielen und Klavier. In diese Zeit fiel auch ihr erster Auftritt mit ihrer Schwester. „Das war ein Klavierkonzert, ich war so klein, dass ich mich daran kaum noch erinnern kann“, erzählt sie.  Gesangsunterricht bekam die gebürtige Stuttgarterin erst auf der Schauspielschule. Zuvor  hatte sie das Abi gebaut und eine Ausbildung zur fremdsprachlichen Wirtschaftskorrespondentin gemacht. Nach der Schauspielschule kamen für sie die ersten Musicalengagements und Bandprojekte. 2005 war für Bianca Spiegel ein wichtiges Jahr. Zum einen erhielt sie ein mehrjähriges Engagement am Staatstheater Stuttgart, wo sie in „Faust 21“ und „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ spielte, zum anderen bekam sie eine Rolle in dem Familienmusical „Kennt Ihr Blauland?“. Mit der Karriere ging es für die  leidenschaftliche Salsatänzerin und Bergsteigerin immer weiter bergauf. Auf dem Stuttgarter Theaterschiff spielte sie u.a. die Hauptrolle in „Suche impotenten Manns fürs Leben“, sang im Elton-John-Musical „Aida“ in Bad Säckingen“ und in dem von Alan Ayckbourn geschriebenen Musical „Träumereien um ein Sommerhaus“ die Hauptrolle der Belle am Theater in Baden-Baden. In diesem Jahr brillierte  sie in „Don Juan“ im Atelier-Theater Stuttgart, im Musical „Jesus Christ Superstar“ bei den Schlossfestspielen Zwingenberg und als Hilda in dem Stück „Feuersee Stunde Null“ im Theaterhaus Stuttgart.


www.biancaspiegel.de
1-2018

 

 

Kunst am Ei 

 

 

 

Text: Andrea Maier

1993 wurde das ehemalige Erpfinger Schulhaus in ein Museum umgewandelt. Seither dreht sich in diesem Haus alles um ein kleines Ding, das ein Teil des hierzulande üblichen Osterbrauches ist. Das Osterei.  Hühner, Enten, Gänse und die meisten andere Vogelarten legen Eier, in denen ihr Nachwuchs heranreift. Welche Bedeutung haben die ovalen, perfekt geformten Eier im Osterbrauchtum? Warum werden die sogenannten Ostereier seit Jahrhunderten bemalt und geschmückt? Welche Möglichkeiten der Verzierung sind bekannt? Wie gestalten Menschen in anderen Ländern ihre Ostereier?

Im Erpfinger Ostereimuseum, das in Deutschland übrigens das erste seiner Art war,  werden diese und viele Fragen mehr auf durchweg interessante Weise beantwortet. Eine schier unglaubliche Zahl von verzierten Eiern in unterschiedlichen Größen, mannigfaltig bemalt, bedruckt, umgarnt, begeistert seit mittlerweile 24 Jahren Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die engagierte Museumsleiterin Anna Barkefeld findet immer neue interessante Aspekte, unter denen das Osterei betrachtet werden kann. Sie organisiert regelmäßig Sonderausstellungen und vielseitige Aktionen, die von den Museumsgästen, als spannende Ergänzung zur Dauerausstellung, mit regem Zuspruch bedacht werden.
Ein Höhepunkt ist der große kunsthandwerkliche Ostermarkt Museum, der bereits auf eine  lange Tradition zurückschauen kann und bis 17. April Österliches aus vielen Handwerksbereichen bietet. Verschiedene Mal-, oder auch Backkurse bereiten Erwachsenen und Kindern größte Freude, denn was gibt es Schöneres als ein selbst gestaltetes Osterei! Und weil Kinder und Jugendliche meist eine andere Sicht auf die Dinge haben als Erwachsene, gibt’s ein spannendes Quiz, mit dem Kids das Ostereimuseum auf eigene Faust erkunden können. In der Osterzeit sind an der Museumskasse übrigens hart gekochte Eier erhältlich. Mit denen lässt es sich prima auf der Rugelbahn spielen, und anschließend: Guten Appetit. Im kleinen, aber feinen Museums-Shop kann man schöne und außergewöhnliche Dinge kaufen: von Ei-Objekten in verschiedenen Techniken, über Postkarten, Schmuck, Halsketten, Holz-Eier, Holz-Engel, Keramik-Hühner bis hin zu Büchern für Kinder und Erwachsene. Dank dem vielseitigen Veranstaltungsprogramm und der wirklich interessanten Ausstellung lohnt sich ein Besuch auch außerhalb der Osterzeit. Daher ist das Ostereimuseum auch nur im tiefsten Winter geschlossen - frei nach dem Motto: Nach Ostern ist vor Ostern.

Info:  Osterei-Museum Steigstraße 8 72820 Sonnenbühl-Erpfingen Telefon 07128 - 774
www.ostereimuseum.de
1-2017

 

 

Kultur-Genuss im Dorf

 

  

 

Text: Andrea Maier

Wer kennt sie nicht? Die Jungs von Herrn Stumpfes Zieh- & Zupf-Kapelle, die seit 25 Jahren skrupellose Hausmusik schmettern! Die Vier sind Kult, weit über den süddeutschen Raum hinaus. Sie sind berühmt, begehrt, umworben und: Sie haben zwischen all den sagenhaften TV- und Radioauftritten, den vielen ausverkauften Konzerten auch ein Leben daneben. Benny Banano beispielsweise. Er spielt in der Kapelle Tuba, Kontrabass, Gitarre, singt und macht Faxen. 

Abseits der Zieh- & Zupf-Kapelle heißt Benny mit Nachnamen Jäger, ist oben auf der Alb, in Gerstetten, aufgewachsen und seit vielen Jahren mit Sonja verheiratet. Sonja Banzhaf stammt aus einer traditionsreichen Landwirtschaft mit legendärem Gasthaus und begleitet als Inklusionsfachkraft Schüler mit Handicap an Regelschulen. Benny und Sonja haben miteinander zwei erwachsene Kinder und einen einzigartigen Lebenswohnraum in Erpfenhausen. Soweit so gut. Die beiden schätzen Musik und Humor, sie mögen Theater mit Niveau, gutes Kabarett, Tanz, Feste und Leute, die etwas davon oder all das genießen. Als Sonja den elterlichen Hof mit Wirtshaus von ihrer Familie übernahm, drängelte sich eine Idee in den Vordergrund: „Wir machen hier genau unser Ding!“ Sie nahmen Zollstock, Hacke und Schaufel in die Hände und legten los. Von 2008 bis 2009 bauten die beiden mit Architekten und etlichen Helfern Stall und Scheune um. Behutsam haben sie vieles vom Alten belassen, mutig ebenso vieles erneuert, großzügig erweitert, das Ganze feinsinnig gestaltet und mit viel Herz bereichert.Ein sagenhafter Mehrzweckraum ist entstanden: alte Mauern, massige Holzbalken, ausgefeilte Licht- und Tontechnik, Mobiliar für wirklich alle Gelegenheiten und Geschmäcker. Wo einst Kühe und Kälber gefüttert wurden, ist heute einer der schönsten Speiseräume weit und breit. Die alten Nebengebäude können Dank technischer und handwerklicher Raffinesse flugs umgewandelt werden, je nach Bedarf in eine Hochzeitskapelle, ein Gästezimmer, eine Freiluftbühne, eine Werkstatt.

Seit 2009 organisieren Sonja Banzhaf und Benny Jäger in ihrem Stadl die „Kultur4Jahreszeiten“. Musik, Theater, Kabarett vom Feinsten. Berüchtigte Knaller wie Bernd Kohlhepp, also „Hämmerle privat“, ebenso wie noch unbekannte Künstler, die auch mal Neues wagen. Zusätzlich zum Kultur-Frühling, -Sommer, -Herbst und -Winter haben Banzhaf und Jäger  „außer der Reihe“ eingerichtet – Veranstaltungen, die in keine Schublade passen, aber herausragend gut sind. Schon der Weg hin zum Kulturhof Erpfenhausen ist schön. Abgebogen von der Landstraße, öffnen sich Wacholderheide, Wiesen, Wald - sanft gehügelt. Die Straße endet in Erpfenhausen, dem kleinen Weiler bei Gerstetten, mit rund 15 Einwohnern. Wo einst Wanderer im Banzhaf'schen Gasthaus „zur Heide“ einkehrten, kann man jetzt Kultur genießen und nach Herzenslust Feste feiern. Sonja und Benny sind gerne Gastgeber, sie organisieren und realisieren frohgelaunt, was der Gäste Herz begehrt.


Info www.kulturhof-erpfenhausen.de und www.tagen-erpfenhausen.de
2-2016

 

 

Ein Missionar des Schwäbischen

 

  

 

Text: Tim Baldur

Man kennt ihn aus dem Fernsehen, aus der SWR-Serie „Laible & Frisch“: Winfried Wagner alias Walter Leible. Eine Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben war und ist. Im Dezember 2017 kommt mit „Da goht dr Doig“ die lang erwartete Fortsetzung in die Kinos. Wen Winfried und Sabine Wagner zu sich nach Hause einladen, für den steht der Herr des Hauses gerne in die Küche. Kochen ist seine zweite Leidenschaft, wie der Hausherr zugibt. Dabei legt er auch großen Wert auf heimische und regionale Produkte. Diesmal gibt es eine köstliche „Käswähe“, den Teig dazu hat er schon morgens vorbereitet. Garniert das ganze mit einem frisch angemachten Salat von seiner Frau Sabine. Gemütlich ist es in Dettingen an der Erms im Hause Wagner. Gemütlich und bodenständig eingerichtet, so wie es die Wagners selbst auch sind. Authentisch eben.  

Und Winfried Wagner, 1949 in Metzingen geboren, gelernter Bankkaufmann und Absolvent der Hamburger Autorenschule, ist ein Schaffer, im besten schwäbischen Sinne. Gerade hat er sein 19. Buch „Die 30x30 besten schwäbischen Witze“ veröffentlicht. Die Veröffentlichung eines Buches ist für ihn nichts Aufregendes mehr. „Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Mutter einmal anrief und fragte, ob es etwas Neues gebe. Ich habe verneint, obwohl genau an diesem Tag mein sechstes Buch erschienen ist“, erzählt er. Schon daran könne  man sehen, wie schnell man sich an was gewöhnen könne, und fragt gleichzeitig, ob es denn noch etwas Käswähe sein darf. 

Überhaupt, schreiben wird Winfried Wagner wohl immer. Ein Leben ohne Schreiben und Bücher ist für ihn nicht vorstellbar. Ein Rezept, wie man am besten schreibt ,hat auch er nicht. Man muss den Anfang und das Ende der Geschichte kennen, dann beginnt irgendwann während des Schreibens sich ein Eigenleben der Personen und der Geschichte zu entwickeln und man  muss aufpassen, dass  man Schritt hält und das Heft nicht aus der Hand gibt. „Geschichten findet man jeden Tag, man erlebt ja auch jeden Tag etwas“, sagt Wagner mit einem Schmunzeln. „Wenn ich da nur an unseren Urlaub auf Teneriffa denke, was da alles passiert ist…“.  

Das Heft in der Hand, was die vielen Auftritte und die Vermarktung von Winfried Wagner überhaupt betrifft, das hat seine Frau Sabine. „Sie ist meine externe Festplatte“, sagt er mit einem liebevollen Lächeln an sie gerichtet. „Sie erinnert sich  noch auf den Tag genau an wirklich jedes Geschehnis und hat alle Termine, samt deren Dauer, im Kopf abrufbereit“. Bis Weihnachten sagt sie deshalb auch gleich, sind schon alle Wochenenden ausgebucht. Das kann man durchaus als Erfolg bezeichnen, vor allem, wenn man aussschließlich als „Missionar des Schwäbischen“ unterwegs ist. 

Um dem allem gerecht zu werden, gibt es im Hause Wagner auch eine Arbeits- und Zeitaufteilung. Nach dem gemeinsamen Frühstück, seine Frau liest die Zeitung immer zuerst, geht jeder in seinen eigenen Arbeitsraum. Sabine bearbeitet alles Schriftliche, von Auftrittsanfragen über Buchbestellungen und alles andere. Winfried hingegen widmet sich jeden Morgen erst seiner Korrespondenz und beginnt dann entweder zu schreiben, eine Rolle zu lernen oder sich ganz konkret auf einen Auftritt vorzubereiten. Denn, auch das ist eines seiner Credos, es wird niemals genau denselben Auftritt von und mit ihm geben. Obwohl er, durchweg im positiven Sinne, „als alter Hase“ in diesem Geschäft bezeichnet werden kann, bereitet ihm eines mehr Lampenfieber als alles andere: dann, wenn er in seiner Heimat, sprich Dettingen oder Metzingen auftreten soll. Beispielweise bei den „Dettinger Kabaretttagen“. Nie und nimmer hätte er gedacht, dass da mit über 500 Besuchern die Schillerhalle gefüllt war. „So was ist immer ein ganz besonderes und tolles Erlebnis und eine riesengroße Bestätigung meines Schaffens“, gibt er unumwunden zu.  Und ein Datum wird  er auch nie mehr vergessen. Das war 1976. Als zum ersten Mal sein Name im Radio genannt wurde, als eines seiner Hörstücke veröffentlicht wurde. Immer wenn ihr Mann einen Auftritt hat sitzt Sabine Wagner am Büchertisch, übernimmt in den Pausen den Verkauf und fertigt dazwischen die verschiedensten Handarbeiten.

Hinzu kommen seit dem Erfolg der Fernsehserie „Laible & Frisch“ auch immer wieder Drehtermine. So erst kürzlich für den Trailer des Kinofilms „Da goht dr Doig“ in einem Stuttgarter Boxcamp. „Das war und ist für mich eine ganz andere Welt, aber sehr interessant und spannend“, berichtet Wagner. Wenn man beispielsweise eine Szene vier- oder fünfmal wegen der Kameraeinstellung oder des Lichts drehen müsse. Mit Theaterspielen habe das nicht mehr viel zu tun.  Noch gut kann er sich an die Anfänge dieser Erfolgsstory erinnern. Ein junger Dettinger Student der Stuttgarter Filmakademie, namens Frieder Scheiffele, rief an und fragte, ob er denn einmal vorbeikommen könne. Scheiffele wollte den Dettinger Humoristen dazu überreden, für seine Abschlussarbeit acht Tage kostenlos zu Filmaufnahmen zur Verfügung zu stehen. Eben für den ersten Pilotfilm von „Laible & Frisch“. Mit diesem Pilotfilm hatte Scheiffele nicht nur seinen Abschluss mit Bravour bestanden, sondern der Südwestrundfunk war sogar bereit dazu, daraus eine Serie für das Vorabendprogramm werden zu lassen. Dieser Erfolg gipfelt jetzt im ersten Kinofilm mit „Laible & Frisch“, der nächstes Jahr in die deutschen Kinos kommen wird.
Und wie wird im Hause Wagner Weihnachten gefeiert? „Besinnlich, ruhig und  mit der Familie“, heißt hier die Antwort. Mit gemütlichem und gutem, selbstzubereitetem Essen und Gesprächen, mit Kraft tanken für die vielen neuen Aufgaben, die 2017 auf die Wagners zu kommen werden. Und viele werden sie sehen können, egal ob auf der Bühne, im Fernsehen im Kino oder entspannt mit einem Buch.

Info: www.winfriedwagner.de
3-2016

 

 

Alb-Ansichten im OF7

 

 

 

 

 

Text: Andrea Maier

 

In einer ehemaligen Offiziersunterkunft im „Alten Lager“  in Münsingen bezaubern gemalte Alb-Ansichten von Künstlern, deren Heimat die Schwäbische Alb war. Aus den 160 ausgestellten Werken der Alb-Maler weht Vergangenes in die Gegenwart und macht Entwicklung sichtbar. 

Martin Rath ist viel unterwegs, arbeitet in verschiedenen Ländern Asiens. Aufgewachsen ist er am Fuße der Reutlinger Alb. Hier lebt er mit seiner Familie und hier genießt er Ruhe und den freien Blick in wunderschöne Landschaft. Den leidenschaftlichen Kunstsammler fasziniert besonders afrikanische Kunst. Bei einer Auktion fiel sein Blick zufällig auf ein kleines unscheinbares Aquarell. „Schäfer mit Schafherde“, wurde von Jakob Plankenhorn Anfang des 20. Jahrhunderts gemalt. „Die Blickrichtung ist ähnlich der von unserer Terrasse aus. Auf dem Hügel da hinten haben wir Skifahren gelernt.“ Dieser ganz persönliche Bezug gab den Ausschlag, Rath kaufte das Kleinod und seine Aufmerksamkeit war geweckt.

Immer häufiger schauten er und seine Frau sich Bilder von Malern der Schwäbischen Alb an. Mittlerweile besitzen sie ziemlich viele. Darunter Bilder von Felix Hollenberg (1868- 1945) oder Christian Landenberger (1862-1927), die in Gomadingen und Albstadt eigene Museen haben. Etliche Werke stammen jedoch von Malern, deren Bekanntheit kaum über die Ortsgrenzen hinaus reichte.

Der rein materielle Wert dieser mittlerweile wohl umfangreichsten Sammlung von Alb-Malerei sei „überschaubar“. Martin Rath geht es vielmehr darum, „regionale Identität, wie auch die kulturelle und künstlerische Entwicklung anschaulich zu machen“. In den Gemälden ist die räumliche und gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen 150 Jahre sichtbar. Typische Alltagsszenen sind ebenso zu erkennen, wie vom jeweiligen Zeitgeist geprägte Vorstellungen von Natur und Idyll. Viele der Alb-Maler-Bilder zeigen die Landschaft, wie sie ausgesehen hat, als auch die große Militäranlage bei Münsingen gebaut wurde (1895).

 

Hier schließt sich der Kreis: Franz Tress, Gründer der gleichnamigen Nudelfabrik, hat weite Teile des ehemaligen Militärgeländes bei Münsingen erworben und plant sein „Alb-Gut“ als vielfältiges Tourismus-Magnet. Neben „Gläserner Produktion“, Herbergen, Festsälen, Gastronomie, einem Markt für regionale Produkte und vielem mehr, soll auch ein Kunsthaus das „Alte Lager“ beleben. Rath und Tress trafen zusammen. Der eine suchte Kunst, der andere hat sie und die Schwäbische Alb gibt das verbindende Element. Sie ließen die Wände in den vom Denkmalamt vorgeschriebene Pastelltönen streichen und hängten rund 160 Bilder in den 18 Stuben auf, in denen einst die Betten der Offiziere standen. Die Heizung funktioniert, die Wände sind trocken - mehr ist vorerst nicht nötig.

Im September wurde das Alb-Maler-Museum eröffnet.

 

Seither hat das Gebäude OF7 wohl schon mehr Besucher gesehen als in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Kein Wunder, denn das umgebende Biosphärengebiet ist zu jeder Jahreszeit für Wanderer und Spaziergänger wunderschön und das „Alte Lager“ historisch interessant. Das Biosphärenzentrum in direkter Nachbarschaft bietet für alle Altersgruppen hervorragend aufgearbeitete Informationen und vielerlei Veranstaltungen.

Besucher aus allen Regionen der Schwäbischen Alb tauchen im Alb-Maler-Museum in vergangene Zeiten, entdecken längst Vergessenes, kommen ins Gespräch, teilen Ansichten. Liebhaber von Malerei geraten genauso wie Alb-Freunde ins Schwärmen.  Martin Rath und sein Bruder Thomas, der die Ausstellung vor Ort betreut, erfahren in so manchem Gespräch mehr und mehr über die Künstler und über die Alb. Vieles davon schreiben sie auf, ein Ausstellungskatalog entsteht. 

 

Info: www.albmaler.de
3-2016

 

 

 

Grausiges im Morgengrauen

 

 

 

 

 

Text: Andrea Maier

 

Wenn die Tage kürzer werden, ist es wunderbar gemütlich, sich mit einem Buch in den Sessel zu kuscheln und in erfundene Geschichten einzutauchen. Besonders erdachte Verbrechen und menschliche Untiefen lassen wohlige Schauer über den Rücken huschen. rauschen. Vor allem dann, wenn die Schauplätze von Krimis in der Region liegen und dem Leser vertraut sind. 

Die raue Schwäbische Alb mit ihren eigenwilligen Bewohnern, den geheimnisvollen Höhlensystemen, kargen Hochflächen und schroffen Schluchten, ist als Schauplatz für Geschichten bestens geeignet. Neben Lyrik, naturkundlichen Sachbüchern und historischen Romanen werden vor allem Alb-Krimis geschrieben. „Albeins“ hat den Krimi- und Sachbuchautor Jürgen Seibold besucht. Sein aktueller Roman „Lindner und das schwarze Schaf“ erschien im Oktober und erfreut sich bereits größter Beliebtheit.

 

„Der Schäfer Jo Meißner macht im Morgengrauen auf dem Kornberg bei Gruibingen eine grausige Entdeckung: Sein Vater, Seniorschäfer Ernst Meißner, liegt tot und übel  zugerichtet auf der Weide, … LKA-Kommissar Stefan Lindner wird aus seinem Urlaub zurückgerufen ...“ (Auszug aus der Ankündigung des Silberburg Verlages)

 

So ein bisschen muss er selber lachen, wenn der Kommissar Stefan Lindner immer so hypochondrisch daherkommt. Auch in der druckfrischen Geschichte „Linder und das schwarze Schaf“ fürchtet der „bähmullige“ Hauptkommissar aus Bad Boll schon bei geringfügigem Unwohlsein eine lebensbedrohliche Krankheit. Schelmisch grinsend lädt Lindners Erfinder, Jürgen Seibold, seine Zuhörer in einer Buchhandlung ein, sich über die Hauptfigur der Schwäbische-Alb-Krimi-Reihe lustig zu machen. „Nur späßleshalber!“, ruft er, denn tatsächlich ist dem erfolgreichen Krimiautor daran gelegen „so zu schreiben, dass mir niemand böse ist.“

Mit viel Liebe zur jeweiligen Region ersinnt der ehemalige Journalist bemerkenswert produktiv eine ganze Menge Verbrechen: Im Allgäu lässt er das Nordlicht Hansen ermitteln, im Remstal schickt er Kommissar Schneider los, rund um Stuttgart löst der Bestatter Gottfried Froelich Ungereimtheiten bei Todesfällen und auf der Alb, da bruddelt und sinniert sich eben genannter Kommissar Lindner durch besonders kuriosen Fälle. Ganz ehrlich: Hätten Sie gedacht, dass ein Opfer mit Äpfeln erschlagen, mit Spülmittel erstickt oder von Wölfen ... ? Nun ja, Autor Jürgen Seibold hat seinem Lindner außerordentliches Talent beim Lösen derartiger Merkwürdigkeiten zugeschrieben. Die Leser werden ins Staunen geraten, soviel sei vorweg genommen.

Da der vielbeschäftigte Geschichtenerzähler in freien Stunden gerne über die Alb spaziert, ebenso gerne Pausen macht und dabei die regionalen Köstlichkeiten entlang der „blauen Mauer“ genießt, ist alles auf's Beste recherchiert. Dörfer, Straßen, Bäume, Gärten, Wirtschaften – (fast) alles wie in echt. Nur beispielsweise Wohnungen, Fahrzeuge, Lieblingswirte oder ähnlich Persönliches der Beteiligten ist ausgedacht. Auch das, was geschieht, ist der Realität zwar oft verblüffend nahe, aber in jedem Fall „konsequent erfunden“.

Dies und vieles mehr berichtet Jürgen Seibold mit Humor und Selbstironie bei den Lesungen in Buchläden, Weinkellern, Bildungseinrichtungen, Gast- und Kulturhäusern. Er liest am liebsten im Stehen, ein Apfelschorle vor sich. Mit komödiantischem Talent holt er sein Publikum in die Geschichten hinein und entlässt sie mit einem Augenzwinkern wieder ins echte Leben. Ab und an gibt der begeisterte Hobbymusiker Seibold dabei auch ein paar Stücke mit der Gitarre zum Besten.

 

Wenn im Frühjahr dann genug Bücher gelesen sind und wärmende Sonnenstrahlen wieder nach draußen locken, sind die „Mordstouren“ zu den Orten des Geschehens ein ganz besonderes Vergnügen. Mal solo, mal unterstützt von Schauspielern, wandert Jürgen Seibold mit Gruppen krimibegeisterter Wanderer über die Alb, im Remstal oder durch Stuttgart. Ein paar Utensilien des Verbrechens führt er dabei gerne mit sich und selbstverständlich ein zünftiges Vesper. 

 

Info: www.juergen.seibold.de
3-2016

 

 

 

 

Lieder in Poesie und Dialekt

 

 

Text: Ulrike Luthmer-Lechner

Harald Immig, der Barde mit schwäbischem Zungenschlag  und imposantem Wuschelkopf, ist ein echtes Urgewächs vom Hohenstaufen. Als Liedpoet, Maler und Dichter wurde das Multitalent vielfach ausgezeichnet und das beruht nicht zuletzt auf Schwäbischem Fleiß.„Ich spreche aus, was Menschen in sich tragen, verpackt mit Witz und Poesie“,  so der Künstler vom geschichtsträchtigen Hohenstaufen. Der Kaiserberg ist sein Lebenselixier, schon seit Kindesbeinen. „Hier ist für mich Heimat, hier sind meine Wurzeln“. Inspiriert durch die Landschaft und ihre Menschen schöpft der 69jährige Schwabe Kraft und Ideen für seine künstlerische Arbeit. Wo Harald Immig auftritt, findet er sein Publikum und  das Publikum findet  ihn. In der starken Verbindung von Musik, Gesang und  seiner persönlichen Ausstrahlung fasziniert er seine Mitmenschen immer wieder aufs Neue. Wer in unserer schnelllebigen Zeit eines seiner Konzerte besucht, wird auf wundersame Weise entschleunigt, gefangen und berührt. Sinniges, Tiefgründiges, Filigranes, der Liedermacher versteht es exzellent, den Blick zu schärfen für die kleinen, die selbstverständlichen Dinge des Lebens. Für Heiterkeit und herzhaftes Lachen sorgt Harald Immig, wenn er seinen  mit Mutterwitz gespickten Humor aufblitzen lässt, etwa beim  „Bimbele“ oder beim Spaziergang durch  „Erkenbrechtsweiler“.  Das gekonnte Verweben von kleinen Anekdoten und seinen Liedern, jene Mischung aus poetischen Klangbildern, bald leisen, melancholischen Tönen, bald schwäbisch-knitzen Zwerchfell-Attacken, macht den Charme der Immig-Konzerte aus. Seit 40 Jahren versteht er es mit eigenen Liedern, vorwiegend in schwäbischer Mundart, die Balance zwischen Botschaft und Musik zu vermitteln. „Das Publikum ist mit mir älter geworden, aber es kommen  immer neue Besucher dazu“, freut sich der Künstler mit der lockigen Mähne. Zur Tradition geworden sind seine romantischen Konzerte auf Burgen  und Schlössern. Oft wird er dabei begleitet von Klaus Wuckelt mit Mandoline und Lyra sowie der Mezzosopranistin und Gitarristin Ute Wolf. Zwischen leisem Sprechgesang und kräftiger Liedermacherstimme trifft der Barde immer den richtigen Ton.

Der neuzeitliche Troubadour weiß längst, dass Kunst mit Sinneswahrnehmung zu tun hat. Mit offenen Augen streift er durch die Landschaft, zückt Palette und Leinwand  und hält fest, was er sieht. In seinen Aquarellen bewahrt er die schönsten Momentaufnahmen der Natur für die Ewigkeit. Die herben Landschaften von Irland, Schottland, Skandinavien und der Schwäbischen Alb bevorzugt der weitgereiste Maler, ins Herz geschlossen habe er auch die sanften Landstriche der Toscana, doch sein Lieblingsmotiv bleibt der Hohenstaufen zu allen Jahreszeiten und in allen Nuancen. Vom Kaiserberg aus sieht er der Natur ins Herz, etwa bei zauberhaften Morgenstimmungen und spektakulären Sonnenuntergängen.  „Die Menschen im Tal sehen dies größtenteils gar nicht,“ deshalb wird er dann und wann schon mal der Übertreibung ob seiner gemalten grandiosen Farbspiele am Himmel bezichtigt.  „Die Leute sagen dann, das ist ein Harald-Himmel“, lacht der Künstler.  Seit 30 Jahren gibt es die kleine, feine Galerie Harald Immig im Dorf Hohenstaufen. Durch einen liebevoll gestalteten Blumengarten wird der Besucher im Inneren seines schmucken Elternhauses aus dem Jahr 1740 zu einem Bummel durch blühende Bäume und bunte Blumen eingeladen. Nicht nur in seinem kleinen Garten werkelt der naturverbundene Künstler gerne, täglich spaziert er auf oder um seinen Hausberg Hohenstaufen herum. „Die Gesundheit zu erhalten ist das Wichtigste“, weiß er. Neben körperlicher Bewegung und ausgewogenem Essen bedeutet ihm auch die geistige Nahrung viel.

„Ich lese sehr gerne und wenn ich male, lausche ich Hörbüchern“. Gedächtnistraining steht bei ihm täglich auf dem Programm. „Man muss jeden Tag etwas Neues lernen“. Seine persönlichen Ziele hat er fest im Blick: „Malen werde ich immer, bis zumLebensjahr will ich singen, zwischen 80 und 90 erzähle ich Geschichten und danach gehe ich nur noch spazieren“.

www.galerie-immig.de